Unpopuläres Investment:USA verkaufen ein Stück AIG
Der einst weltgrößte Versicherer wurde in der Finanzkrise mit Steuermilliarden vor dem Kollaps gerettet. Nun beginnt der Ausstieg: Ein erstes Aktienpaket will die Regierung Anfang 2011 verkaufen. Der Weg für die Rückzahlung von Krediten der Notenbank ist ebenfalls frei.
Die US-Regierung treibt den Ausstieg aus dem mit Milliarden an Steuergeld gestützten US-Versicherer AIG voran. Das Finanzministerium will im Auftaktquartal 2011 ein erstes Paket seiner AIG-Anteile im Wert von mindestens 15 Mrd. Dollar am Markt verkaufen. Das entspräche zu derzeitigen Kursen in etwa einem Viertel des staatlichen Anteils. AIG selbst könnte gleichzeitig 2 bis 3 Mrd. Dollar an neuen Aktien ausgeben, womit die Transaktion ein Gesamtvolumen von 17 Mrd. Dollar bekommen würde.
AIG bekam in der Krise Unterstützung in Milliardenhöhe
Der einst weltgrößte Versicherer stand im Herbst 2008 nach riskanten Wetten mit Kreditderivaten kurz vor dem Kollaps. Die Regierung sowie die Zentralbank Federal Reserve sprangen ein. Insgesamt erhielt der Versicherer mehr als 180 Mrd. Dollar. AIG ist eines der letzten großen Finanzunternehmen, an denen der amerikanische Staat noch Anteile hält, neben den Hypothekenfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac. Aus den großen Wall-Street-Banken ist die Regierung bereits ausgestiegen, erst am Montag machte sie den Verkauf ihrer letzten Anteile an der Citigroup perfekt.
An AIG hält der Staat derzeit rund 80 Prozent. Durch eine Umwandlung von Vorzugs- in Stammaktien wird dieser Anteil bis Jahresende schrittweise noch auf 92,1 Prozent ansteigen. Das Finanzministerium will die Aktien über zwei Jahre schrittweise verkaufen und hofft, dabei einen Gewinn erzielen zu können. Beim Ausstieg aus der Citigroup etwa gelang das: Hier fiel ein Plus von rund 12 Mrd. Dollar an.
Das genaue Volumen des ersten Verkaufs von AIG-Aktien soll vom Interesse der Investoren abhängen, das in den kommenden Monaten ausgelotet werden soll. Das Finanzministerium bezeichnete die Transaktion in einer Mitteilung als Meilenstein. Obwohl die Regeriung an den Milliardenhilfen für Finanzunternehmen verdient, sind die Rettungsaktionen bei den Bürgern extrem unpopulär. Auch das ist ein Grund, warum die Regierung den Ausstieg forciert.
Die Loslösung vom Staat ist oberste Priorität von AIG-Chef Robert Benmosche. Auch mit Blick auf die Unterstützung durch die Fed macht er Fortschritte: Der Versicherer und die Notenbank einigten sich auf die Rückzahlung einer Kreditlinie, die sich vergangene Woche laut AIG noch auf rund 21 Mrd. Dollar belief. Das Unternehmen will nach Angaben vom Mittwoch die Einnahmen aus dem Verkauf zweier amerikanischer Versicherungsgesellschaften nutzen, um das Geld aufzubringen. Die Kreditlinie hatte ursprünglich ein Volumen von 85 Mrd. Dollar.
"Es ist ein großer Schritt vorwärts für AIG und für die Steuerzahler, dass die Zahl der Gegenparteien von zwei auf eine reduziert wird", sagte Clark Troy, Analyst bei Aite Group, der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Eine Reihe von Schritten im Erholungsprozess von AIG sind ohne Probleme über die Bühne gegangen."
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