Hochwasser: Versicherungen zahlen nicht mehr so häufig
"Wir haben allen Grund zu der Befürchtung, dass Naturkatastrophen wesentlich an Gewicht gewinnen werden", sagte der langjährige Katastrophenexperte der Münchener Rück, Gerhard Berz, am Donnerstag in München. Bis zum Ende des Jahrhunderts werde es infolge der globalen Erwärmung ein Klima geben, wie es die Menschheit noch nicht erlebt hat. "Der Hitzesommer 2003 war ein Blick in die Zukunft." Dürre und Stürme würden deutlich häufiger vorkommen als jetzt.
Vor 100 Jahren war den Versicherungen das Ausmaß von Großschäden durch Naturkatastrophen schlagartig klar geworden: Beim Erdbeben von San Francisco am 18. April 1906 kamen mehr als 3000 Menschen ums Leben und rund 250.000 wurden obdachlos. Der materielle Schaden wurde auf rund 350 Mio. $ geschätzt. In der heutigen Zeit würde der Schaden einer Summe von rund 200 Mrd. Euro entsprechen, sagte Berz.
Versicherungen werden vorsichtiger
Inzwischen sind die Versicherungen besser auf derartige Naturkatastrophen vorbereitet. "Heute sind wir in der Lage, ein schnelles, nachhaltiges und belastbares Schadensmanagement bei Massenschadensereignissen zu leisten", sagte Olav Bogenrieder, Leiter des Bereichs Firmenversicherungen der Allianz Versicherungs-AG.
Zudem sind die Versicherungen vorsichtiger bei der Risikoübernahme geworden. So versichert die Allianz Gebäude in besonders gefährdeten Hochwassergebieten nicht mehr gegen Wasserschäden. In Deutschland seien dies rund 0,5 Prozent der Wohngebäude, sagte Bogenrieder. In anderen Gebieten sind die Kosten der Police abhängig vom Risiko. Durch das derzeitige Elbe-Hochwasser rechnet die Allianz mit einem Schaden in zweistelliger Millionenhöhe. Nach der derzeitigen Lage könne der versicherte Schaden für die Allianz rund 15 Mio. Euro betragen, sagte Bogenrieder. "Wir rechnen nicht mit einer wirklichen Katastrophe." Allerdings hänge die genaue Summe davon ab, wie lange das Wasser noch in den Gebäuden stehen bleibt.
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