Herbert Fromme ist Versicherungskorrespondent der FTD
Die Diskussionen des Suchmaschinenanbieters Google mit einigen deutschen Versicherern sollten die gesamte Branche aufhorchen lassen. Google-Emissäre sprechen mit den Unternehmen über die Möglichkeit, ein eigenes Preisvergleichsportal des Internet-Giganten einzurichten.
Inzwischen hat es sich in den Vorstandsetagen herumgesprochen, dass jeder Versicherer eine Internet-Strategie braucht. Das gilt auch dann, wenn er keine einzige Police per Direktversicherung oder Vergleichsportale absetzen will. Die neue Kundengeneration will ihren Versicherer auch elektronisch ansprechen können. Die Allianz mit ihrem elektronischen Versicherungsordner gibt die Richtung vor.
Auch der Internet-Vertrieb - jahrelang von vielen Versicherern als Randerscheinung belächelt - mausert sich. McKinsey hat für 2007 errechnet, dass von den Kfz-Verträgen im Privatkundengeschäft neun Prozent online abgesetzt wurden und 75 Prozent offline, also vor allem über Vertreter und Makler. Weitere 16 Prozent bezeichneten die Experten als hybrid - Kunden informierten sich online und kauften offline. 2010 war die Zahl der Online-Käufer schon auf 16 Prozent gestiegen, die Hybrid-Kunden machten 26 Prozent aus. Das größte Internet-Vergleichsportal Check24 rechnet für 2012 mit noch stärkeren Verschiebungen. Danach kaufen 23 Prozent online, nur noch 43 Prozent offline, und 34 Prozent mischen.
Kein Zweifel - das Internet ist nicht nur angekommen im Vertrieb von Autopolicen, es übernimmt die führende Rolle. Dabei wächst der Einfluss der Vergleichsportale. Ein Grund: Sie wissen mehr über ihre Kunden, als viele Versicherer je wissen werden.
Genau deshalb kommt hier Google ins Spiel. Der Konzern hat eine derartig ausgefeilte Strategie der Informationssammlung über das Verhalten seiner Nutzer, dass er allen Versicherern und Vergleichsportalen meilenweit voraus ist. Dasselbe gilt übrigens für Amazon und Facebook . Wenn Google - wie bereits in Großbritannien geschehen - ein Vergleichsportal aufsetzt, dann wahrscheinlich vor allem, um dieses Geschäft besser zu verstehen und Versicherer sowie Portale als Anzeigenkunden stärker zur Kasse zu bitten. In den USA werden doppelt so hohe Preise per Klick für Google-Versicherungsanzeigen gezahlt wie in Deutschland.
Erst in einem zweiten Schritt würde es gefährlich für traditionelle Anbieter. Dann könnten Google und die anderen Netzgiganten ihre Datensammlungen dafür nutzen, selbst Versicherer zu werden, mit der ausgefeiltesten Risikoselektion und individuellen Preisfindung, die man sich denken kann.
Wer das für utopisch hält, sollte einen Blick auf den Werdegang des Konzerns werfen. Der einstige Suchmaschinenanbieter liefert heute mit Android das führende Betriebssystem für Pad-Computer, mausert sich mit Youtube und speziellen Kanälen für einzelne Zielgruppen zum Fernsehveranstalter und ist einer der wichtigsten Anbieter von Werbung für alle Zielgruppen. Versicherung könnte Google auch lernen. Fazit: Wenn die Assekuranz sich nicht selbst digitalisiert, machen das andere für sie.
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