Herbert Fromme ist Versicherungskorrespondent der FTD
Monatelang war es sehr ruhig um die Allianz . Der weltgrößte Versicherer sah sich mit Recht im Zentrum des europäischen Finanzsturms - 26 Mrd. Euro in italienischen Staatsanleihen sind keine Kleinigkeit. Die Schwierigkeiten der Commerzbank - an die der Versicherer seine Dresdner verkauft hatte - wirkten sich mit dem schwächelnden Aktienkurs ebenfalls negativ auf die Allianz aus.
Aber jetzt bewegt sich der Riese. Das Management ist voller Selbstbewusstsein - schließlich hat der Konzern die Krise bislang gut gemeistert. Der hohe Gewinn aus der jetzt abgeschlossenen Rettungsaktion für den US-Lebensversicherer Hartford aus dem Jahr 2008 kommt Konzernchef Michael Diekmann und Finanzchef Oliver Bäte gerade Recht, nicht allein wegen der Millionen, die fließen. Noch wichtiger: Die Aktion zeigt, dass sich die Allianz auf Seiten der Krisengewinner sieht, dass sie das meiste richtiger gemacht hat als die Konkurrenz.
Diekmann hat Zukäufe im Kerngeschäft Schaden- und Unfallversicherung angekündigt. Dabei ist das gerade öffentlich gewordene Interesse der Münchener an der französischen Gan Eurocourtage nur eine Fingerübung. Die Allianz hat Größeres vor. Das Management ist voller Tatendrang. Diekmann selbst hat erklärt, er wolle mit Zukäufen von den Problemen schwächelnder Versicherer profitieren.
Dabei wird es nicht bei kleinen Arrondierungen bleiben. Eine entscheidende Frage für das Allianz-Management: Was kann der Konzern in Deutschland kaufen? Schließlich gibt es in der Allianz-Geschichte immer dasselbe Muster: Der Konzern hat rund 20 Prozent Marktanteil, ist teurer als die Konkurrenz, verliert vier, fünf Prozentpunkte, kauft zu - und ist wieder bei 20 Prozent. Allerdings liegt die jüngste Übernahme dieser Art schon 18 Jahre her, damals übernahm der Versicherer die Vereinte.
Inzwischen ist er beim Marktanteil wieder an der unteren Grenze angelangt. Die immer wieder gehörten Schwüre, Gewinn sei wichtiger als Marktanteil, sollte man dabei nicht zu ernst nehmen. Denn das Geschäftsmodell der Allianz in Deutschland funktioniert überhaupt nur, wenn das Unternehmen Marktführer ist.
Was also kaufen? Möglicherweise Ergo, wenn das Management der Munich Re endlich einsieht, dass der Rückversicherer ein schlechter Eigner für den Düsseldofer Versicherer ist. Oder Töchter ausländischer Versicherer - die Pariser Axa ist alles andere als glücklich mit ihrem hiesigen Geschäft, kann sich aber wohl kaum leisten, im größten europäischen Markt nicht präsent zu sein. Vielleicht dann doch eher öffentliche Versicherer - wenn die wegen der Landesbanken angefressenen Sparkassen unter genügend Druck stehen und mit dem Verkauf ihrer Versicherer Kasse machen wollen.
Ziemlich viel ist möglich. Aber das alles geht nur, wenn die Weiterungen der Eurokrise nur die Konkurrenten treffen, und nicht so sehr die Allianz. Doch das ist noch lange nicht ausgemacht.