Thomas Witting leitet die deutsche Niederlassung der Swiss Re Europe
Über die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre ist politisch heftig diskutiert worden. Ziel war es, den Anstieg des Rentenbeitrags zu dämpfen. Aber die gesetzliche Rentenversicherung hat damit auch die Folgen der stetig steigenden Lebenserwartung für die Altersversorgung schonungslos aufgezeigt. Diese ist in den industrialisierten Ländern in den vergangenen 100 Jahren dramatisch angestiegen. Das Tempo des Anstiegs hat sich keineswegs verlangsamt, Neugeborene gewinnen im Durchschnitt pro Jahr zwei Monate an Lebenserwartung hinzu.
Eine solche Entwicklung hat starke gesellschaftliche Auswirkungen: Die traditionellen - nach dem Umlagesystem funktionierenden - Rentenversicherungssysteme geraten unmittelbar an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit.
Für die betriebliche Altersversorgung und die privaten Rentenversicherer besteht die Herausforderung bei der Bewältigung des Langlebigkeitsrisikos nicht darin, dass die Menschen länger leben, sondern darin, dass die Lebenserwartung weitaus schneller steigt als vorhergesagt - mit einer Rate, welche die versicherungsmathematischen Hochrechnungen ständig überholt. Dies kann zu einer erheblichen Lücke zwischen dem Vermögen und den künftigen Verbindlichkeiten der Vorsorgeeinrichtungen führen.