Torsten Jeworrek ist Vorstandsmitglied der Munich Re
Die Diskussion über den Klimawandel wird immer hitziger. Der Gipfel von Kopenhagen war eine große Enttäuschung. Egoismen einzelner Staaten haben eine Einigung auf Klimaschutzziele verhindert. Jetzt werden die Stimmen von Klimaskeptikern immer lauter, die Mängel im Report des Weltklimarats beklagen und die gesamten Grundlagen der Klimaverhandlungen in Frage stellen. Doch auch wenn zu recht auf Fehler hingewiesen wird, dürfen die eigentlich drängenden Probleme dabei nicht in den Hintergrund geraten.
Die Indizien sind stark, dass das Klima wärmer wird. Auch 2009 war eines der wärmsten Jahre seit Beginn der systematischen Messungen. Und es gibt nachvollziehbare Indizien, dass menschliches Verhalten die Hauptursache dafür ist. Aber es gibt keinen hundertprozentigen Beweis. Dürfen wir deshalb unsere fossilen Energiereserven weiter so verschwenden wir bisher? Macht es noch Sinn, langfristige Investitionen in die Planung und den Bau neuer Kohlekraftwerke zu stecken?
Betrachtet man die Frage der Energiegewinnung jenseits aller Dogmen, zeigt sich, dass wir gar keine andere Wahl haben, als alternative Energien zu fördern. Das gebietet zum einen das Vorsichtsprinzip: Der endgültige Beweis des menschlichen Einflusses auf den Klimawandel und welche Folgen daraus resultieren, kann vielleicht erst in fünfzig Jahren erbracht werden. Dann wäre es für jede Reaktion zu spät. Zum anderen sind fossile Brennstoffe begrenzt. Wir müssen uns also unabhängig vom Klimawandel ohnehin auf erneuerbare Energien umstellen. Es macht daher viel Sinn, die Entwicklung schon jetzt voranzutreiben. Die Umstellung wird aber nicht leicht. Ganze Industriezweige fühlen sich bedroht. Einige Länder gewinnen ihre Energie ausschließlich aus fossilen Brennstoffen. Doch das darf nicht den Blick auf die Chancen verstellen. Gerade der Wirtschaftsstandort Deutschland lebt von der Entwicklung innovativer Technologien.