Schwieriger wird es zugegebenermaßen, wenn Unternehmen nun verstärkt die Deckung von reinen Vermögensschäden fordern. Ohne Schadenhistorie lässt sich der Risikopreis nur bedingt aktuarisch ermitteln. Die Prämie orientiert sich somit hinsichtlich der Eintrittswahrscheinlichkeit eines Schadens an einem theoretischen "worst case" - und scheint damit mitunter schlichtweg zu teuer. Um zu einer realistischeren Bewertung für neue Risiken zu kommen, müssen wir uns zunächst auf das Expertenurteil unserer Underwriter und Risikoingenieure stützen; erst mit wachsender Versicherungserfahrung sind dann wieder Daten zur Risikomodellierung verfügbar. Daher haben wir stark in den Aufbau von Know-how investiert.
Nur weil wir den Reifegrad der IT-Sicherheit in Unternehmen fachmännisch beurteilen können, trauen wir es uns zu, Schäden durch Hackerangriffe abzusichern. Nur weil wir die Risiken in globalen Lieferketten auf Augenhöhe mit unseren Kunden diskutieren können, werden wir bald ausgewählten Unternehmen eine Deckung für Betriebsunterbrechungen ohne Sachschaden anbieten können. Wo sich jedoch beim besten Willen aller Beteiligten keine klassische Versicherungslösung findet, ist wie sooft an der Grenze zweier Bereiche Neues entstanden: Ein alternativer Risikotransfer über Kapitalmarktverbriefungen gewinnt für Kunden wie für Industrieversicherer an Bedeutung.
Wenn es um industrielle Großrisiken geht, ist Innovation nicht zuletzt auch auf Partnerschaft angewiesen. Sie findet im Dreieck zwischen Kunden, Erstversicherer und Rückversicherer statt. Die Unternehmen müssen bereit sein, sich mit Versicherungslösungen gegen neue Risiken zu wappnen und dafür auch zu bezahlen, sei es durch höhere Budgets oder eine Umschichtung durch höhere Selbstbehalte an anderer Stelle. Und sie müssen bereit sein, mehr Informationen zu ihrer Gefährdung zu teilen. Umgekehrt haben wir gelernt, neue Produkte in einem kontinuierlichen Dialog mit unseren Kunden zu entwickeln. Dies bewahrt hoffentlich künftig beide Seite vor unliebsamen Überraschungen bei der Markteinführung. Aber auch die Rückversicherer müssen neue Lösungen mittragen. Wenn deren Risikoappetit durch hohe Schadenbelastung, Niedrigzinsumfeld und Konjunkturflaute abnimmt, dann dämpft dies auch die Innovationsmöglichkeiten der Erstversicherer.
Risiken sind unser Geschäft, jahrhundertealte ebenso wie brandneue. Als Industrieversicherer wollen und müssen wir für unsere Kunden mehr als ein "Feuerschreiber" sein. Dazu werden wir weiter global in den Aufbau von Know-how investieren, um die sich schnell verändernden Risikolandschaften unserer Kunden verstehen und attraktive Produktantworten finden zu können. Was eine systematische Entwicklung und bessere Vermarktung neuer Ideen betrifft, können wir uns sicherlich gerade von unseren Kunden aus der Konsumgüterbranche noch einiges abschauen. Vielleicht gelten wir künftig als kreativer, wenn wir Deckungserweiterungen in regelmäßigen Zyklen als Update oder Facelift lancieren? Für uns wäre das sicherlich ein kleiner Quantensprung.