Axel Theis ist Chef der Allianz Global Corporate & Specialty
Lokale Katastrophen, weltweite Schäden: Die Häufung von Naturkatastrophen im vergangenen Jahr hat uns auch vor Augen geführt, wie anfällig die globalen Lieferketten vieler Unternehmen sind. Weil infolge des Erdbebens in Japan Lackpigmente nicht mehr lieferbar waren, geriet die Produktion bei deutschen Automobilherstellern ins Stocken. Chip-Hersteller büßten an Umsatz an, weil ihre Abnehmer weniger PCs fertigen konnten - sie erhielten keine Festplatten mehr von flutgeschädigten Lieferanten aus Thailand.
Eine aktuelle Umfrage der Allianz Global Corporate & Specialty zeigt: Störungen in der Lieferkette und Betriebsunterbrechungen sehen viele Unternehmen als großes Geschäftsrisiko. Auch für die Versicherungswirtschaft haben die daraus folgenden Rückwirkungsschäden zuletzt eine neue Dimension erreicht. Allein für Betriebsausfälle in japanischen Firmen durch die Flut in Thailand rechnet
Swiss Re mit bis zu 11 Mrd. Dollar versicherten Schäden.
Betriebsunterbrechungsdeckungen sind im Grunde eine Blackbox: Brennt eine Fabrik, ist der Schaden groß, aber bezifferbar. Welche indirekten Schäden sich daraus vielleicht anderswo ergeben, lässt sich dagegen nur grob abschätzen. Kumulrisiken kumulieren sich - vor allem wenn Hersteller und Zulieferer in den Büchern stehen. Daher wundert es kaum, wenn die
Munich Re seit jüngstem energisch versucht, mehr Licht ins Dunkel der Lieferketten bringen.
Die Idee ist nicht neu. Vieles spricht jedoch dafür, dass ihre Zeit jetzt gekommen ist. Was Daten zu Lieferketten betrifft, stehen wir heute dort, wo wir vor zehn Jahren in punkto Naturkatastrophen waren. So wie wir heute das Schadenpotenzial durch Wirbelstürme an der US-Ostküste simulieren können, werden wir hoffentlich bald auch genauer abschätzen können, wo überall auf der Welt Ausfälle drohen könnten, wenn ein Zyklon einen Automobilproduktionscluster in Indien verwüsten würde.