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Merken   Drucken   29.01.2010, 10:28 Schriftgröße: AAA

Versicherungskolumne: Runterkühlen lautet die Devise  

Kommentar Wir brauchen ein weltweit gültiges Emissionshandelssystem, um den CO2-Ausstoß zu verringern. Ohne einen international wirksamen Klimaschutz werden wetterbedingte Katastrophenbilder ähnlich denen aus Haiti immer öfter unsere Wohnzimmer erreichen. von Clement B. Booth 
Clement Booth ist Vorstandsmitglied der Allianz SE.
Erschüttert blickt die Welt nach Haiti und sucht zu helfen, wo sie kann. Die Unbarmherzigkeit, mit der Naturgewalten Tod, Elend und Verzweiflung unter die Menschen bringen, nimmt einem den Atem. Diesmal war es ein Erdbeben, das ungeheure Vernichtungen brachte. Doch neun von zehn der schwersten Naturkatastrophen der vergangenen Jahre - gemessen an der Zahl der Todesopfer - waren wetterbedingt.
Wenn jetzt zu Recht Haiti im Fokus liegt und nicht die abflauende Weltwirtschaftskrise oder der Klimawandel, dürfen wir darüber nicht vergessen, was für einen Schiffbruch die Welt vor einem Monat in Kopenhagen erlebt hat. Das ambitionierte Ziel, Kontinent überspannend eine kohlenstoffarme Entwicklung einzuschlagen, wurde vertagt. Zu unterschiedlich die jeweiligen nationalen Interessen, zu gering öffentliches Wissen und öffentlicher Druck, den CO2-Ausstoß verbindlich zu drosseln. Die Politik ist gefordert, die Erwärmung der Erdatmosphäre bis 2050 auf maximal 2 Grad zu begrenzen - nicht mit unverbindlichen Erklärungen, sondern in der Wirklichkeit. Die Wissenschaft hat alles Notwendige gesagt. Die Belege sind erdrückend. Die Zeit wird knapp. Von den 1.600 Gigatonnen CO2, die zur Einhaltung des 2-Grad-Ziels bis 2050 maximal in die Luft gehen dürfen, wurden 40 Prozent bereits emittiert.
Wir brauchen keine Augenwischerei und Verzögerungstaktiken, sondern ein weltweit gültiges Emissionshandelssystem, das markwirtschaftliche Anreize zu einem effizienten Energieeinsatz und zur CO2-Verringerung bietet. Richtig konstruiert könnte es auch einen gewaltigen Anteil am Mittelaufkommen erwirtschaften, das die Industrieländer zur Finanzierung von Klimaschutzprojekten in Schwellen- und Entwicklungsländern bereitstellen müssen. Wenn es nicht bald zu einem international wirksamen Klimaschutz kommt, werden wetterbedingte Katastrophenbilder ähnlich denen aus Haiti immer öfter und grausamer unsere Wohnzimmer erreichen. Der Klimagipfel in Mexiko-Stadt darf nicht wieder in wirkungslosem Gefeilsche versinken.
  • FTD.de, 29.01.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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