Torsten Jeworrek ist Vorstandsmitglied der Munich Re
Welch eine Vision! Strom aus der Sonne in der Wüste zu gewinnen - für die Länder Nordafrikas, in denen die Anlagen stehen. Und für Europa. Damit den Klimaschutz zu stärken und am Ende auch Risiken zu reduzieren. Risiken wie jene, die zur Ölpest im Golf von Mexiko geführt haben. Von solch einer Vision haben alle etwas.
Vor fast genau einem Jahr haben wir mit der Desertec Foundation und elf internationalen Unternehmen diese Vision der Realität ein Stück näher gebracht: Wir haben dafür eine Industrie-Initiative gegründet. Die Planungsgesellschaft Dii arbeitet mit voller Kraft und spricht mit der EU und den Ländern Nordafrikas über die Umsetzung der Wüstenstrom-Vision. 17 Partner gehören der Initiative mittlerweile an, darunter Unternehmen aus Marokko und Algerien, bald auch aus Tunesien.
Kritiker halten die Initiative für unrealisierbar oder für Neokolonialismus. Ich sage: Technisch geht es, es gibt ja solche Anlagen schon. Und auch die benötigten neuartigen Gleichstrom-Hochspannungsleitungen sind in der Praxis schon in Betrieb. Da ist es dann einfach auch einmal nötig, eine solche Vision mit Enthusiasmus und Konsequenz voranzutreiben. Und nicht nur über Bedenken zu sprechen.
Ich bin überzeugt, dass schon in einigen Jahren der erste Strom fließt. Die Idee, der Mut und die Konsequenz der Partner werden dies möglich machen. Am Ende wird der Klimawandel bekämpft, nach Nordafrika fließen Investitionen, Investoren erzielen Rendite. Die Welt wird ein wenig besser sein - nicht zuletzt durch mutiges Unternehmertum.
Was Visionen benötigen, damit sie Realität werden, zeigen erfolgreiche Vorbilder. John F. Kennedy wusste im Mai 1961 nicht, wie die Rakete aussehen wird, mit der noch im selben Jahrzehnt - wie von ihm angekündigt - Amerikaner auf dem Mond landeten. Und Karl Benz hatte 1886 sicher nur eine vage Ahnung, welche Umwälzungen sein Patent-Motorwagen auslösen würde.
Gemeinsam sind solchen Projekten Weitsicht, Mut - und eine gewisse Hartnäckigkeit. Ich kann nur sagen: Wir brauchen mehr solche Visionen wie die vom Strom aus der Wüste. Und Mut, sie auch anzugehen. Die nächsten Generationen - und die beteiligten Unternehmen und Volkswirtschaften - werden davon profitieren.