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Merken   Drucken   09.07.2010, 00:00 Schriftgröße: AAA

Versicherungskolumne: Vorfahrt für Hasardeure?  

Kommentar Falls ein Versicherer durch ungezügelte Spekulationslust und schlechtes Risikomanagement in eine Schieflage gerät, sollte der Staat ihn nicht retten. Wer das Vertrauen der Kunden missbraucht, muss bestraft werden. von Ulrich Rüther 
Ulrich Rüther ist Vorstandsvorsitzender der Provinzial Nordwest Holding
Wer mit dem Feuer spielt, kommt darin um: Diese alte Volksweisheit verliert zusehends an Substanz. Vorbei die Zeiten, in denen ein Scheitern aufgrund von waghalsigem Handeln bestraft wird - man denke nur an die zahlreichen Rettungsaktionen, die wir während der vergangenen Monate weltweit beobachten mussten. Das Signal eines solchen Vorgehens birgt reichlich sozialen Sprengstoff. Denn wenn Unternehmen - und Manager - für ihre Fehler nicht mehr haften müssen, werden gesellschaftliche Werte wie Fairness und Verantwortung in ihren Grundfesten erschüttert.
Das gilt selbstverständlich auch für die Versicherungsbranche. Stellt sich also die Frage: Was wäre, wenn ungezügelte Spekulationslust und schlechtes Risikomanagement eine Versicherung in eine echte Schieflage bringen? Müsste man in einem solchen Fall eine Pleite - zur Not mit Steuergeldern - verhindern? Ich meine Nein. Es kann nicht sein, dass Gewinne, die auf unwägbaren Risiken basieren, gefeiert, Verluste aus solchen Geschäften jedoch sozialisiert werden. Eine solch gravierende Asymmetrie von Chance und Risiko führt beim Unternehmer langfristig zwangsläufig zu Fehlanreizen.
Die Kunden, die wir betreuen, vertrauen uns den Schutz ihres Besitzes und ihre Altersvorsorge an. Wer dieses Vertrauen missbraucht, muss bestraft werden. Schützenswert sind in einem solchen Fall ausschließlich die Kunden. Wie ein solches Szenario aussieht, hat uns 2003 der Fall der Mannheimer Leben nachdrücklich vor Augen geführt. Das Unternehmen hatte sich mit Aktiengeschäften verspekuliert und eine freiwillige Branchenlösung ist - zurecht, wie ich meine - gescheitert. Letztendlich wurden die rund 345.000 Versicherungspolicen auf die Branchen-Schutzeinrichtung Protektor übertragen - das Ende der Mannheimer Leben war besiegelt, die Kunden haben keinen substanziellen Schaden davon getragen.
Auch im Hinblick auf die Stabilität des Finanzsystems scheint mir eine Rettung um jeden Preis nicht angemessen. Schließlich sind von der geordneten Abwicklung eines Versicherers kaum systematische Risiken zu erwarten.
Im besten Fall werden wir über den Sinn und Unsinn solcher Rettungen nie diskutieren müssen. Denn verantwortungsvolles und weitsichtiges Handeln sind nach wie vor der beste Schutz vor einer Pleite. Eine solche Geschäftspolitik sind wir sowohl unseren Kunden, als auch unseren Mitarbeitern und unserem Image schuldig.
  • FTD.de, 09.07.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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