Mit Hilfen für die Finanzbranche sind auch in den USA keine Wählerstimmen zu gewinnen. Als die US-Regierung 2008 den in der Immobilienkrise ins Wanken geratenen Versicherungsriesen American International Group (AIG) mit mehr als 180 Mrd. Dollar vor dem Absturz bewahrte, war das aber eher nachranging - gefühlt stand die Welt ohnehin vor dem Abgrund. Knapp vier Jahre und einen Wahlturnus später sieht das anders aus. Da kommt eine Bilanz des US-Rechnungshofs gerade recht: Demnach könnte die Regierung mit der Rettung einen Gewinn von mehr als 15 Mrd. Dollar machen.
So lobt das Government Accountability Office (GAO) in einem Bericht die voranschreitende Genesung des Versicherungskolosses sowie die lukrativen Anteilsverkäufe und Veräußerungen von Hypothekenpaketen. Im vergangenen Jahr fuhr AIG bereits wieder einen Gewinn von über 18,5 Mrd. Dollar ein - wohlbemerkt auch dank satter Steuervorteile sowie abgelöster Geschäftsbereiche. Anfang der Woche verkündete das US-Finanzministerium dann auch noch, sich von weiteren AIG-Stammaktien zu trennen und damit über 5 Mrd. Dollar einnehmen zu wollen. Die Regierung wäre dann nur noch mit 30 Mrd. Dollar bei AIG investiert.
Der einst weltgrößte Versicherer - zu Hochzeiten der Finanzkrise als "gefährlichste Firma der Welt" gebrandmarkt - musste im Herbst 2008 notverstaatlicht werden, weil es sich mit Kreditderivaten verspekuliert hatte. Als plötzlich ein großer Teil der Kreditausfallversicherungen fällig wurde, konnte AIG den Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. 105 der 180 Mrd. Dollar Staatshilfe flossen dann an die Geschäftspartner von AIG - darunter viele europäische Institute.
Angesichts der Präsidentschaftswahlen im November kommt der GAO-Bericht gerade recht für die Regierung von Barack Obama, die wegen der unpopulären Milliardenhilfen für den Finanzsektor immer wieder in die Kritik gerät. Die Bilanz der Agentur ist allerdings nur eine Prognose. Ob und mit wie viel Gewinn der Staat sich am Ende von AIG trennen wird, hängt schließlich vom Verkaufspreis der restlichen Anteile ab. Den erfahren die Amerikaner aber erst nach den Wahlen.