Umfrage
Umfrage: "Was Privates liest jeder gern"
Dass die Mitarbeiter sich zunehmend selbst organisierten und Informationen austauschten, hatten Krasser und seine Vorstandskollegen nicht in dem Maße erwartet. "Für die Führungskräfte bedeutete das zunächst einen Machtverlust", berichtet der gelernte Betriebswirt. Früher waren die Projektleiter zu ihnen gekommen, um ein Team zusammenzustellen. Heute finden sie sich selber zusammen. "Bald haben wir das aber als sehr angenehm empfunden - so haben wir mehr Zeit für andere Aufgaben", sagt Krasser.
Ganz vorne in der internen Klickstatistik stehen die Blogs der Führungskräfte. Sie müssen mit gutem Beispiel vorangehen: "Die Blogs sind für uns eine enorme Selbstverpflichtung", sagt Krasser. "Wir müssen unseren Mitarbeitern zeigen, was wir als Führungskräfte leisten."
Konferenzen werden effizienter
Meinungsaustausch und Diskussion ist in den Blogs ausdrücklich erwünscht, wer um Hilfe bittet, wird von den Kollegen unterstützt. "Wenn jemand nur Erfolge berichtet, dann ist das für die Vorgesetzten ein Grund, nachzuhaken", sagt Personalentwicklerin Annette Klausmann: Vielleicht ist er nicht ausgelastet? Mit den Informationen aus den Blogs - ausdrücklich oder zwischen den Zeilen - wird zudem für die Chefs und die Kollegen klarer, wer eine Beförderung verdient hat.
Dass die Blogs bei Pentos so gut funktionieren, ist nach Meinung von Blogexperte Christian Scholz nicht selbstverständlich: "Blogs machen nur Sinn, wenn man angstfrei alles schreiben kann. Das setzt eine offene Unternehmenskultur voraus - und die gibt es nicht in jedem Unternehmen." Selbst dann kann ein Blog nicht jede Konferenz ersetzen. Aber er kann helfen, die Konferenzen effektiver zu halten: Zu den monatlichen Office Meetings bei Pentos kommen die Leute nun besser vorbereitet, berichtet Annette Klausmann.
"Hilft uns, die Mitarbeiter an uns zu binden"
Arbeit ist das eine. Schoten das andere: Der Punkt "Sonstiges" in den Blogs ist besonders beliebt. Hier können die Mitarbeiter über sich, ihre Familie und ihre Hobbies schreiben - etwa über die Chilizucht. "Das sind Anknüpfungspunkte für Gespräche", sagt Nikolaus Krasser. Die Mitarbeiter lernen sich besser kennen, manche machen zusammen Sport. Der neue Teamgeist zahlt sich aus: "Das hilft uns, die Mitarbeiter an uns zu binden", meint Krasser. Deshalb hält Krasser die Arbeitszeit, die seine Mitarbeiter in die Blogs stecken, für eine gute Investition - auch wenn sich der Vorteil in Zahlen nicht messen lässt.