FTD: Seit Ende des vergangenen Jahres gehören 30 Prozent der Lokalisten der Sendergruppe Pro Sieben Sat Eins. Ist das der Ausverkauf der charmant-semiprofessionellen Lokalisten-Idee?
Schauermann: Wir brauchten einen großen Freund, um dem Wachstum Herr zu werden. Natürlich haben wir uns den in der Medienbranche gesucht.
Degenhart: Alleine hätten wir es nicht geschafft.
Bauer: Finanziell sicher nicht. Außerdem wollen wir bald bewegte Bilder auf der Seite haben. Da braucht man jemanden mit Erfahrung.
FTD: Apropos bewegte Bilder: Wann erscheint die erste Fernsehwerbung für eine Pro-Sieben-Komödie auf der Lokalisten-Seite?
Bauer: Ich glaube nicht, dass Pro Sieben bei uns werben will. Bei den Lokalisten ist um 20 Uhr Peak-Time, da sind die meisten Nutzer online. Und was hat man früher um 20 Uhr gemacht? Ferngesehen. Deswegen hat Pro Sieben bei uns investiert.
Degenhart: Die Menschen unserer Zielgruppe, die Leute zwischen 18 und 40, surfen eher, als dass sie fernsehen.
Bauer: Pro Sieben hat bei uns investiert, weil ein solcher Konzern dieses Freundes-Netz, das wir haben, künstlich nicht schaffen kann. Das muss aus der Gesellschaft heraus wachsen. Die Zielgruppe, die wir bieten, ist wie ein Virus gewachsen. Die kann man nicht einfach kopieren.
FTD: Seit ein paar Wochen haben Sie das exklusive "Einladungs"-Gebot gelockert. Als "Newbie" brauche ich bei den Lokalisten erstmal keinen Freund, der mich reinbringt. Wieso?
Schauermann: Das hat mit der Fernseh-Werbung zu tun. Wir können nicht Werbung für die Lokalisten machen und dann den Leuten den Zugang verwehren.
Degenhart: Man soll ja den Leuten zu nichts den Zutritt verweigern. Das Türsteher-Prinzip konnte ich noch nie leiden. Als Newbie kannst Du wenigstens mal reinschauen und kucken, ob ein Freund von Dir drin ist. Das Türsteherprinzip hat natürlich auch seine Vorteile: Nur die man kennt, kommen rein. Aber mir gefällt's halt einfach nicht.
FTD: Damit stehen Fake- und Werbeprofilen Tür und Tor offen. Wie schützt ihr Euch?
Degenhart: Das war vorher auch schon so. Wer erstmal drin war, konnte mit einer erfundenen E-Mail-Adressen ein falsches Profile anlegen.
Bauer: Von einem Fake-Profil habe ich ja nichts.
FTD: Aber im Internet bewegen sich massenweise Irre, Pädophile, Stalker.
Schauermann: Unsere User haben ein anderes Selbstverständnis. Die Plattform ist ihr Wohnzimmer. Und das möchten sie sauber halten. Sobald ein Verdacht aufkommt, melden die uns das. Da gibt es wirklich richtige kleine Detektive - eine klassische Web 2.0-Entwicklung.