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Merken   Drucken   30.03.2007, 12:25 Schriftgröße: AAA

Netzprofil: Bewerber aus Glas

Das Web 2.0 als Karriere-Killer: Wer ungewollt Spuren im Netz hinterlässt, kann schnell Probleme bekommen. Spätestens wenn der Personalchef beim Vorstellungsgespräch mit dem peinlichen Partyfoto vom letzten Monat wedelt. von Christian Meyer

Die Krawatte sitzt, alle Fakten rund um die Firma liegen auf Abruf im Kurzzeitgedächtnis, der Lebenslauf passt zum Unternehmen. Eigentlich hat der Bewerber alles richtig gemacht - und dann kommt doch alles anders. Ein einziges, kleines Detail lässt den perfekten Eindruck zerbersten: Konnte man denn ahnen, dass der Personalchef die Partybilder vom letzten Monat im Internet findet?
"Das kann in Extremfällen passieren", sagt Joachim Staude, Präsident des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU). "Mittlerweile wird die Netzrecherche von Personalern immer häufiger angewandt und als Informationsquelle hinzugezogen."
Jeder dritte Personalberater recherchiert im Netz Der BDU hat gemeinsam mit der Zeitschrift "Wirtschaftswoche" 300 Personalberater zu diesem Thema befragt. Das Ergebnis: Fast jeder Dritte von ihnen (28 Prozent) nutzt das Internet, um an Informationen über Bewerber zu kommen. "Dabei geht es den Personalern nicht nur um die fachliche Eignung, sondern auch um die persönliche", sagt Staude. 26 Prozent der Personalberater, die im Internet recherchieren, gaben an, dass sie aufgrund der Internetrecherche schon mal Bewerber nicht weiter berücksichtigt hätten.
Wer vor der Bewerbung im Internet alles über das Unternehmen recherchiert, aber nichts über sich selbst, kann also schnell Probleme bekommen. In den USA gibt es mit "Zoominfo.com" sogar eine Menschen-Suchmaschine im Internet, die Personenprofile erstellt. Jedes fünfte der 500 größten US-Unternehmen nutzt diesen Dienst bereits - selbst Google.
Mit wenigen Klicks entdecken findige Personaler die Internet-Spuren ...   Mit wenigen Klicks entdecken findige Personaler die Internet-Spuren ihrer Bewerber
"Genau prüfen, welche Daten man freigibt" Was aber kann ein Bewerber tun, um sich gegen die Online-Transparenz abzusichern? Carlo Velten, Trendanalyst bei der IT-Firma Experton, empfiehlt, vor einem Bewerbungsgespräch genau zu überprüfen, welche Spuren man im Netz hinterlassen hat. "Es gibt zwei Wege, wie Informationen über einen ins Netz kommen können", sagt Velten. "Durch eigene Einträge oder die Einträge anderer."
Informationen, die man selbst ins Netz stellt, sind beispielsweise Angaben in Social Networks wie Xing und StudiVZ. "Hier sollte man genau prüfen, welche Daten man für jedermann freigibt", rät Velten. Aber auch eine eigene Internetseite oder ein Blog können Details über eine Person verraten, ebenso wie Kommentare in Foren und Gästebüchern. "Im Extremfall können sogar Bilder, die man bei Foto-Communities wie Flickr hochlädt, oder Videos auf Youtube eine Aussage über einen machen", sagt Velten.
Wer weiß schon, was andere über einen schreiben Viel schwerer aufzuspüren sind aber Informationen, die Dritte veröffentlicht haben. Sportvereine und -verbände publizieren zum Beispiel Turnier- oder Meisterschafts-Ergebnisse gerne auf ihren Seiten - mit Namen der Teilnehmer. Findet ein konservatives Unternehmen einen Bewerber als Sieger bei einem Kitesurf-Wettkampf, kann das den "Risikosportler" eventuell den Job kosten. "Solche Einträge kriegt man natürlich nur schwer wieder aus dem Netz", sagt Velten. "Aber jeder sollte wissen, welche Spuren er im Internet hinterlässt."
Aber wer weiß schon, was Arbeitskollegen, Kommilitonen oder Bekannte mal über einen geschrieben haben. Einträge in Foren, Blogs oder Gästebüchern kann man zwar oft nicht löschen, man muss aber zumindest darauf gefasst sein, dass auch Personaler diese finden und im Gespräch Fragen dazu stellen.
Internetportfolio Velten empfiehlt deshalb, ein persönliches Internet-Portfolio zu erstellen, um sich damit auf alle eventuellen Fragen vorzubereiten:
  • Bei welchen Social Networks bin ich registriert?
  • Welche Informationen gebe ich in Xing, StudiVZ o.ä. über mich preis?
  • An welchen Online-Angeboten beteilige ich mich noch?
  • Habe ich Bilder oder Videos ins Netz gestellt (z.B. bei Flickr oder Youtube)?
  • Habe ich einen Blog oder eine Internetseite?
  • Habe ich mich in Foren oder Gästebüchern geäußert?
  • Gibt es Einträge von anderen über mich (in Foren, auf Webseiten, in Gästebüchern)?
  • Welche Treffer gibt es, wenn ich den eigenen Namen google (den Namen dabei in Anführungsstriche setzen: "Max Mustermann")?
  • Was taucht auf, wenn ich die eigene E-Mail-Adressen google?
  • Was findet Google, wenn ich meinen Namen mit Daten aus dem Lebenslauf kombiniere (Stadt, Schule, Universität, Sportarten, Hobbys, Firmen, etc.)?
Viele Quellen sind nicht zuverlässig Bei allen interessanten Details, die man im Netz über andere finden kann, warnen sowohl Velten als auch Staude die Personaler vor einer falschen Gewichtung dieser Informationen: Firmen sollten ihre Entscheidung nicht primär auf Ergebnisse der Online-Recherche stützen.
Viele Einträge stammen aus nicht verlässlichen Quellen; mal ganz abgesehen von dem Risiko, einen Namensvetter erwischt zu haben. Dr. Joachim Staude kennt das Problem aus eigener Erfahrung: Ein Physiker hat denselben Namen - ebenfalls mit Doktortitel.
Schon deshalb ist Vorsicht angebracht. "Informationen aus dem Internet sollten nie das erste Kriterium sein, wenn es darum geht, einen kompetenten Mitarbeiter zu finden", sagt Velten. "So etwas ist immer nur ein Zusatz."
  • FTD.de, 30.03.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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