Ein typisches Xing-Profil. Dieser Nutzer ist kein Premium-Mitglied
"Analytisch veranlagte Mitarbeiter"
Um aber überhaupt an den SSL-Port zu gelangen, muss der erste Türsteher überwunden werden, die Intrusion Detection - eine lernfähige Maschine, die mit einem Programm nach Eindringlingen sucht und den Netzwerkverkehr nach Auffälligkeiten filtert. Im Idealfall merkt das Programm, wenn jemand versucht, den Datenstrom mitzulesen oder einen Server auszuspionieren. Auch die Applikationsserver, auf denen Anwendungen wie beispielsweise die Suchfunktion laufen, sind von der Datenbank getrennt. "Selbst wenn man es geschafft haben sollte, auf einen der Applikationsserver zu kommen, ist man noch lange nicht auf der Datenbank", sagt Gehret.
Weil Xing sich aber nicht nur auf die Technik und seine Nutzer verlässt, überwachen zusätzlich noch echte Menschen den Datenverkehr. Diese "analytisch veranlagten Mitarbeiter" schauen sich die Nutzerprotokolle an und greifen ganz klassisch zum Telefon, wenn sich ein Mitglied daneben benimmt. Die Erfahrungen mit der manuellen Überwachung seien "extrem gut", sagt Gehret. In der Regel zeigten sich die Ertappten einsichtig und seien sogar positiv überrascht, persönlich kontaktiert zu werden. Das führe dann häufig sogar zu Tipps und Verbesserungsvorschlägen - und die Strafanzeige bleibt aus. Dass diese menschlichen Wächter effektiv arbeiten, bestätigt auch der "Chaos Computer Club" (CCC), der von "fähigen Leuten" spricht.
In 90 Prozent der Fälle sind aber ohnehin diejenigen, die sich über Unregelmäßigkeiten beschweren, selbst Urheber des Problems: Weil sie Einstellungen vorgenommen und anschließend vergessen haben - oder weil sie sich in einem Internet-Cafe nicht richtig ausgeloggt haben. Gegen Vergesslichkeit schützt auch keine Intrusion Detection.
Trojaner und Tricks
Insgesamt haben es Angreifer also schwer bei Xing. Datenströme und Datenspeicher werden bewacht, und selbst wenn jemand in einen der Server vordränge, hätte er nur wertlose Datenschnipsel in der Hand. Große Sicherheitslücken sind auch in der Hackerszene derzeit nicht bekannt, allenfalls kleine Tricks kursieren im Netz - zum Beispiel, wie man ein paar Elemente der Premium-Mitgliedschaft nutzt, ohne die 5,95 Euro monatlich dafür zu bezahlen.
Will ein Laie unbedingt das Xing-System missbrauchen, kann er allenfalls ein falsches Profil anlegen, das nicht Micky Maus oder Professor James Bond heißt. Es gäbe zwar ein paar Karma-Punkte, aber die Intrusion Detection würde das nicht bemerken; sie sieht nur einen legitimen Vorgang, keinen Angriff. Doch ein Betrug wäre trotzdem kaum möglich, weil andere Nutzer auf der Suche nach Geschäftspartnern wohl kaum ausschließlich über Xing kommunizieren wollen. Irgendwann ist auch ein Telefonat oder eine persönliche Begegnung fällig, und spätestens dann fliegt der Schwindel auf. Um sich vor Adresshändlern zu schützen, sollte man aber dennoch genau abwägen, wem man welche Daten zeigt.
Professionellen Angreifern bleiben noch Trojaner und Phishing. Beide Methoden kennt man eher vom Online-Banking; Experten halten zumindest für möglich, dass auch Xing-Nutzern solche Fallen gestellt werden. Ein Trojaner ist ein Programm, das sich heimlich auf dem Privatrechner eines Nutzers einnistet und dort sozusagen alles mitschreibt, was der Nutzer eintippt - auch Passwörter. Wenn der Trojaner diese Daten seinem Urheber schickt, kann dieser zum Beispiel mit dem Xing-Profil seines Opfers online gehen. Trojaner kann man sich häufig einfangen, wenn man unbekannte E-Mail-Anhänge öffnet - oder wenn man sich auf die falschen Websites locken lässt, die den Trojaner sofort installieren, wenn man sie aufruft.
Aufwändiges Phishing