Wer schon mal in Tokio war, weiß Bescheid: Im Abendland sind wir noch lange nicht an die Grenzen der Handynutzung gestoßen. UMTS, GPS und all diese tollen Abkürzungen sind in Japan schließlich schon lange Alltag.
Was uns also vielleicht auch bald erwartet: Mobiltelefone für Haustiere, Fingerabdruck-Sensoren, falls man mal die Pin-Nummer vergessen hat, oder das Handy, das Fotos an die Wand beamt. Letzteres soll noch in diesem Jahr auf den deutschen Markt kommen. Bei anderen Angeboten aus dem Ausland ist das eher fraglich.
Handy-Schnitzeljagd
Im Land der aufklappenden Handys wird der Begriff "mobiler Dienst" viel wörtlicher genommen als bei uns. Schon seit zwei Jahren laufen in Tokio Tausende durch die Straßen, ohne den Blick vom Display zu nehmen. Das Spiel heißt Mogi und könnte in unseren Breitengraden am besten als virtuelle Schnitzeljagd verstanden werden, bei der das Finden virtueller Schätze virtuelle Punkte einbringt. Die Teilnahme erfordert GPS und kostet pro Monat weniger als 15 SMS. Bestenlisten können ebenfalls abgerufen werden: Japan sucht den Superstar. Im Rest der Welt gibt es bereits ähnliche Spiele, Geo-Caching genannt, allerdings wird dazu noch das Internet gebraucht.
Zielgruppe in Deutschland: groß, solange die Arbeitslosenzahlen hoch bleiben.
Virtuelle Freundin
Während sich die Japaner die Socken heiß laufen, gibt es in Hongkong einen Service, der unfreiwillige Mobilität effektiv reduziert. Wer Single ist und zu faul, eine Frau aus Fleisch und Blut mit Separee bei Kerzenlicht oder Konzertkarten zu bezirzen, kann sich jetzt mit dem Handy eine Freundin kaufen. Sie meldet sich regelmäßig und verlangt Gegenleistungen dafür, dass man überhaupt mit ihr reden darf, zum Beispiel virtuelle Blumen. Irgendwann folgt womöglich auch eine virtuelle Hochzeit, dann kann es auch passieren, dass die Schwiegermutter mitten in der Nacht anruft.
Klingt nach viel Stress, ist aber immerhin billiger als eine Packung Viagra: 6 $ kostet die Grundgebühr für das Abonnement. Virtuelle männliche Freunde soll es auch bald geben. Vor allem aber werden in naher Zukunft besonders Schwule und Lesben beworben.
Zielgruppe in Deutschland: eher klein, solange kein virtueller Sex angeboten wird. GPS-geleitetes Blinddating könnte aber eines Tages der Renner werden.
Blamage-Blocker
Den vielleicht nützlichsten Handy-Service gibt es in Australien unter dem Stichwort "Dialing under the Influence". Hier können Kunden der Firma Virgin Mobile ihre eigenen Telefongespräche blocken, bevor sie sich auf Sauftour begeben. Pro angegebener Telefonnummer zahlt der Kunde 25 Cent, was nicht einmal im nüchternen Zustand teuer ist, und im Nachhinein viel, viel Geld und Ärger einsparen kann. DUI verhindert, dass man der Ex-Freundin oder dem Abteilungsleiter mal so richtig die Meinung lallt - außer, man kann die Nummer noch am Münztelefon eintippen.
Offenbar erfreut sich der Peinlichkeitsblocker großer Beliebtheit, denn Virgin Mobile legt mit weiteren Diensten nach. Zum vergangenen Valentinstag wurde die SOS-SMS eingeführt. Nicht für Unfälle, sondern für schrecklich langweilige Verabredungen. Wer bei akuter Genervtheit ein "SOS" an Virgin schickt, erhält sofort einen Rückruf. Eine Stimme vom Band sagt dann: "Sprechen Sie mir folgenden Satz nach", oder: "Gehen Sie jetzt ernst schauend auf die Toilette."
Zielgruppe in Deutschland: sehr groß.
Wärmebild-Porno
Selbst in Japan erregte dieses Feature viel Aufsehen. Dabei wollte Yamada Denshi nur sichergehen, dass die Kunden von Vodafone ihre Babys im Dunkeln beobachten können, ohne sie zu wecken. Doch mittlerweile werden mit der Infrarot-Zusatzfunktion auch weniger unschuldige Triebe befriedigt: Der einzubauende Filter hält besonders die warmen Körperstellen im Foto fest - Kleidung strahlt keine Wärme aus und ist deshalb nicht richtig zu sehen. Damit sind zwar keine Hochglanz-Erotikfotos möglich. Für eine ungefähre Darstellung von primären und sekundären Geschlechtsteilen reicht es aber.
Nach Bekanntwerden des Missbrauchs blieben die Japaner pragmatisch: Das Gerät wurde nicht verboten, obwohl sich Vodafone mittlerweile von dem Add-On distanziert. Zum Schutz der Opfer hat das Parlament aber ein Gesetz verabschiedet, wonach einem Infrarot-Fotoshoot ein akustisches Signal folgen muss. Was die Babys aber auch wieder wecken dürfte.
Zielgruppe in Deutschland: klein. Wird wohl nur von Spannern und Männern mit Penisneid gekauft.
Aber auch im 21. Jahrhundert soll es noch Menschen geben, denen die Mobiltelefon-Besessenheit ihrer Mitbürger auf den Wecker geht. Für all jene hat der Digitalgott die "Cellphone Jammers" erfunden. Manche sehen selbst aus wie kleine Handys, andere, stärkere Blocker sind koffergroß und unterbinden in einem Umkreis zwischen 15 und 50 Metern jedes Gespräch. In New York erfreuen sich die Handy-Killer bereits großer Beliebtheit - dabei sind sie dort genauso verboten wie bei uns.