Roboter sollen dem Menschen helfen. Die wirklich wichtigen Dinge des Lebens packen aber nur die wenigsten von ihnen an - den Hausputz zum Beispiel. Staubsauger-Roboter sind da die Ausnahmen. Die tortengroßen Gefährte werden von einem Algorithmus gesteuert und flitzen automatisch durch die Wohnung, auf der ständigen Suche nach Brotkrümeln, Cornflakes, Wollmäusen und Katzenhaaren. Aber ist das wirklich gründlich?
Trilobite 2.0 - der Edle
Der Trilobite 2.0 von Electrolux ist ein echter Brocken: Mit einem Durchmesser von 35 Zentimetern und knapp fünf Kilogramm Gewicht ist er der größte und schwerste Roboter im Feld. Bei der Anlieferung in den dritten Stock hatte sich der sonst sehr freundliche DHL-Mann deshalb etwas wortkarg gegeben.
Die silbergrün schimmernde Außenhülle mit kiemenartigen Öffnungen an der Seite - nach dem Vorbild des namensgebenden Urzeittiers - macht den Trilobite zu einem Designobjekt, das sehr gut in der Zimmerecke aussieht. Er ist etwas langsam, hält dank seiner Ultraschallsensoren aber Abstand zu Wänden und anderen Hindernissen. Und auch im Treppenhaus, dessen Reinigungsgrad die Nachbarin argwöhnisch kontrolliert, darf sich der Trilobite austoben. Im Unterboden wachen Infrarotsensoren darüber, ob er sich einer Stufe nähert und der Absturz droht. Prompt macht der Roboter dann kehrt. Zusätzlich können zum Beispiel an der Terrassentür Magnetstreifen angebracht werden, um einen ungewollten Ausflug in den Garten zu verhindern.
Wählen kann man aus drei verschiedenen Reinigungsprogrammen. Im Normalmodus fährt der Roboter erst die Wände, Sofas oder Stühle einmal ab und berechnet die ideale Route für den Raum. Diese Phase kann aber auch übersprungen werden, so dass sich der Sauber gleich an die Arbeit macht. Und sollte beim Backen mal was daneben gehen, kann man ihn auch ganz gezielt auf den kleinen Mehlfleck auf dem Fußboden ansetzen.
Nach einer Stunde sucht der Trilobite seine Mutterstation auf, um die Akkus aufzuladen. Bei dem schicken Äußeren würde man ihm gern bei der Arbeit zusehen - doch leider ist er der lauteste von allen Testgeräten. Bei einem Geräuschpegel von 75 Dezibel lässt man ihn lieber während des Kinobesuchs saugen.
Roomba - der Derwisch
Die amerikanische Firma iRobot schickt mit ihrer Roomba-Serie gleich mehrere Geräte ins Rennen um den besten vollautomatischen Staubsauger. Der Roomba SE legt los wie ein Saug-Derwisch: Er ist schneller unterwegs als seine beiden Konkurrenten, jedoch nicht zimperlich mit Hindernissen. Kollidiert er mit einer Wand oder einem Sofa, dreht er sich um 110 Grad und fährt weiter. Problematisch nur, wenn in der Ecke noch die vier Bierflaschen vom gestrigen Champions-League-Spiel herumstehen. Die werden nämlich einfach umgemäht. Auch das quer durch die Wohnung verlegte Netzwerkkabel, über das die beiden Konkurrenten problemlos fahren konnten, wird vom Roomba fast einen halben Meter weit mitgeschleift.
Trotz der hohen Geschwindigkeit bleibt die Gründlichkeit aber nicht auf der Strecke. Rollt der Roomba über eine größere Verschmutzung, schlägt der "DirtDetecor" Alarm und der Roboter fährt so lange über die dreckige Fläche, bis sie sauber ist. Anders als seine Kollegen besitzt er einen kleinen rotierenden Extrabesen, der auch den Schmutz aus den Ecken und Wandrändern in Richtung Staubbeutel befördert - ganz wie eine Kehrmaschine. Wie bei den anderen Geräten im Test können Startzeitpunkt und Wiederholungsfrequenz einprogrammiert werden. Die einfache Steuerung per Fernbedienung hat aber nur der Roomba zu bieten.
RoboClean 3000 - der Intelligente
Der RC 3000 von Kärcher ist der kleinste und leiseste Roboter von allen. Trotzdem reinigt er spielend auch unter Sofas oder Schränken und überzeugt dabei auf ganzer Linie. Dafür braucht der RC 3000 dann auch mindestens dreimal so lange, als würde man selbst Hand anlegen. Also: Im Sofa zurücklehnen und die Füße hochlegen.
Als einziger ist der RC 3000 ein echter Staubsauger - die beiden Konkurrenten befördern den Schmutz mit Bürsten und Lamellen in ihren Schlund. Der größte Vorteil des Geräts ist aber, dass es nicht alleine kommt: Ist der Akku fast leer oder der Beutel voll, kehrt er zur Mutterstation zurück. Der unscheinbare Kasten steht im Hausflur und sendet ähnlich wie die Leuchtfeuer am Flughafen ein Bündel Infrarotstrahlen aus, die den Roboter sicher zurück geleiten. Dort angekommen bläst er den gesammelten Staub in die Mutterstation, und die Fahrt kann weitergehen. Der Roboter kann praktisch so lange durch die Wohnung wuseln, bis der Beutel in der Mutterstation voll ist. Im Unendlichmodus ohne Pause sorgt das System für eine gewisse Grundsauberkeit in der Wohnung, zahlt sich also erst recht bei einem dreiwöchigen Urlaub aus.
Auch der RC 3000 hat eine Absturzsicherung und eine eingebaute Schmutzerkennung. Er bearbeitet Flächen so lange, bis sie sauber sind. Doch ein Teil des Schmutzes bleibt auf der Strecke, denn bis zu den Wänden bleiben gut vier Zentimeter ungesaugt. Diese Schwäche mag man dem Kleinen verzeihen, als eine Art Haustierersatz wachsen einem die Kisten schließlich schnell ans Herz.
Überzeugen können zwar alle drei Testkandidaten - perfekt sind die Hausfreunde aber noch lange nicht. In den Ecken oder unter dem Teppich muss man immer noch selber saugen. Schon in wenigen Jahren soll es daher Staubsauger-Roboter mit Stereokamera geben, die nicht nur die Ecken putzen, sondern sogar verlorene Schlüssel wiederfinden.