Die Nacht ist hereingebrochen über die Anse Intendance ganz im Südosten der Seychellen-Hauptinsel Mahé. Die Farben des Tages, schneeweißer Traumstrand vor türkisfarbenem Ozean, verblassen. Im Saffron-Restaurant tafeln die Gäste bei Thai-Gerichten. Vor dem halbrunden Hauptgebäude des Banyan-Tree-Hotels im offenen karibischen Stil lodern zwei Fackeln.
Nach mehreren Jahrzehnten Stillstand in diesem post-sozialistischen Inselstaat eröffnen neue Luxushotels, die die Seychellen für eine anspruchsvolle Klientel annehmbar machen. Die Fünf-Sterne-Natur auf den insgesamt 159 Inseln, von denen nur 14 bewohnt sind, kennt die Welt aus der Bounty-Werbung. Teuer war es schon immer hier - nur wurde dafür ein touristisches Niveau wie in Jugendherbergen geboten. Lieblos geführte und renovierungsbedürftige Hotels selbst renommierter Ketten säumten makellose Strände. Die unterentwickelte Servicementalität trübte die Freude zusätzlich.
Seit kurzem ist die Freude am Paradies ungetrübt - etwa im ersten Hotel der Banyan-Tree-Gruppe außerhalb Asiens. Drei Dutzend Luxusvillen schmiegen sich an einen von Palmen und Granitfelsen dominierten Hang - jede verfügt über einen eigenen Pool und eine nicht einsehbare Terrasse, viele bieten Ozeanblick. Paul McCartney machte kürzlich auf seiner Hochzeitsreise extra einen viertägigen Ausflug von seiner Privatinsel Frégate ins Banyan Tree. Schließlich gehörte das Areal früher Beatles-Kollege George Harrison.
Die Gäste schätzen den neuen Komfort der Seychellen, zahlen die 800 $ pro Nacht und Villa gern. Und als Hotel profitabel zu sein, ist hier nicht leicht - der Staat quält die Betreiber mit Steuern von 200 Prozent sogar auf Toilettenpapier. An manchen Tagen sind selbst Kartoffeln und Zwiebeln so schwer zu bekommen wie Weißwürste in Flensburg.
"Die Seychellen müssen sich zusammenraufen", meckert auch Andrew Spearman auf der Nachbarinsel Praslin. Der junge Engländer ist Chef einer der extravagantesten neuen Hotelanlagen des Landes, und auch hier, im Lémuria Resort, merken die Gäste nichts von solch leidigen Alltagsproblemen. Wie in den meisten Resorts auf den Inseln ist die Illusion vom Paradies perfekt - und Butler Azim Kasamun tut den ganzen Tag alles, um die Bewohner von Villa 6, einer von acht privaten Villen mit eigenem Pool, zu verwöhnen. Er packt das Gepäck aus, reicht Tee zur gewünschten Zeit und serviert das in der Villa zubereitete private Dinner.
Lémuria verfügt über ein riesiges Areal, auf dem sich ein grandioser, teilweise hoch über dem Wasser liegender 18-Loch-Golfplatz (Par 70, 5341 Meter) erstreckt, der einzige der Seychellen. Azim und seine Kollegen servieren auch gern ein Picknick an einem der drei Strände oder abends ein romantisches Fünf-Gänge-Dinner vor Meereskulisse im Sand.
Wem die Privatsphäre der Pool-Villa (ab 2000 Euro für bis zu vier Personen pro Nacht) nicht reicht, dem steht die mit 1250 Quadratmetern größte Präsidentenvilla der Welt zur Verfügung. Mit drei Schlafgemächern, drei Schwimmbecken und jeder Menge dienstbaren Geistern - zu haben ab etwa 10.000 Euro pro Nacht. Doch einer kürzlich hier zehn Tage lang logierenden arabischen Prinzessin reichte selbst der zimmergroße begehbare Kleiderschrank nicht für die mitgebrachte Garderobe.
Solche Probleme kennt man nicht auf Denis Island - einem Privatresort auf einer kleinen Insel eine halbe Flugstunde nördlich von Mahé, die sich in einer guten Stunde zu Fuß umrunden lässt. Nirgends sonst ist das Einfache so luxuriös. Natürlich gibt es auch hier neben komfortablen Standard-Bungalows auch eine luxuriöse Villa direkt am Strand (ab 1500 Euro pro Nacht für zwei Personen mit Vollpension, drei Nächte Mindestaufenthalt). Aber an Etikette und Garderobe verschwendet auf Denis niemand viele Gedanken. Selbst zum Gourmet-Dinner des australischen Chefkochs sind die maximal 60 Gäste lediglich höflich gehalten, nicht in T-Shirt und Shorts zu erscheinen.
Diese eherne Regel gilt auch im St. Anne Resort auf der gleichnamigen Insel gleich vis-à -vis der Hauptstadt Victoria. Die höchstens 180 Gäste verlaufen sich auf dem weitläufigen Areal. Zu den absoluten Höhepunkten gehören der überzeugende Service und das gute Essen.
Das "Montfleuri" am Strand von St. Anne gilt bereits als eines der besten Restaurants im ganzen Indischen Ozean. Ist Halbpension sonst eher Drohung denn Verheißung, definiert das St. Anne mit Fünf-Gänge-Menüs und breiter Auswahl diese Angebotsform gänzlich neu. Auch die 320 Quadratmeter große Royal Villa mit grandiosem Ausblick auf Mahé sowie drei Schlafgemächern und drei Jacuzzis ist für rund 3000 Euro pro Nacht ein echtes Schnäppchen.
Denis Island, Tel. 00.248/32 11 43, DZ ab 686 Euro p. P. , Minimum drei Nächte, www.denisisland.com Transfer mit Air Seychelles (samstags) und Thomas Cook (sonntags) ab Frankfurt, ab 660 Euro, Tel. 089/55 25 33 38,
www.airseychelles.de