Ein Traum wird wahr: Mit Schwimmschuhen übers Wasser gehenHätten sich Jesus und Leonardo da Vinci gekannt, wäre aus dem Christentum wohl nichts geworden. Denn mit den klobigen Schwimmschuhen, die das Universalgenie erfand, sieht das Wasserschreiten nicht halb so wundersam elegant aus wie die überlieferte Barfußvariante. Dafür kann mit solchen Jesuslatschen wirklich jeder zum Weltjugendtag nach Köln pilgern - über den Rhein.
Da Vincis Erfindung wird heute unter dem Namen "Mecklenburger Schwimmschuh" verkauft - und sie ist nur eine Variante in der wachsenden Reihe kurioser Wasser-Fortbewegungsmittel. An diesem Wochenende trifft sich die Gemeinde am Murner See in Bayern zur Human-Powered-Boats-Weltmeisterschaft 2005.
"Zuerst dachte ich: was für seltsame Stiefel", sagt Jan Petzold, der in Mecklenburg Abenteuertouren veranstaltet und dafür die Schwimmschuhe auf der Warnow ausprobiert hat. Eine wacklige Angelegenheit: "Erst fühlt man sich wie ein Skianfänger, die Füße gehen seitlich weg und bilden ein V."
Petzold bekommt zwei Stöcke in die Hand gedrückt - mit dreieckigen Auftriebskörpern. Ihm schieße immer wieder ein Satz durch den Kopf, sagt er: "Ich steh jetzt auf dem Wasser und fahre Ski." Nur dass seine Skier dabei wie Gummistiefel-Mutanten aussehen. Aber nach ein paar Minuten Übung kommt er sogar gegen die Strömung der Warnow an. Petzold will nun zwei Paar für seine Abenteuertouren einsetzen.
Schon in der DDR wurden die Schwimmschuhe produziert. "Aber nur fürs Ausland", sagt Bootsbauer Frank-Uwe Groth aus Gneven bei Schwerin. Für die eigenen Landsleute war da Vincis Erfindung tabu. "Die Grenzschützer hatten Angst, dassdamit einer über die Elbe stiften geht", sagt Groth und lächelt. Heute produziert der 43-Jährige die 2,30 Meter langen Kunststoffgeräte in seiner eigenen Firma.
Ein etwas rasanteres Wasserfahrzeug ist der "Aquaskipper". Bei der "Human Powered Boats"-WM wird Martin Schymura mit diesem von seiner Firma Hypervital entwickelten Gleiter antreten. Der sieht aus wie zwei verwachsene Roller. "Ich hüpfe rhythmisch auf die Tragfläche und erreiche so bis zu 27 km/h", sagt Schymura. In einigen Städten, darunter Berlin und Kassel, kann man sich den Aquaskipper bereits wie ein Tretboot ausleihen. Oder man kauft sich das komplett zerlegbare Gefährt für knapp 1000 Euro gleich selbst.
Schymura setzt für dieses Wochenende auf Sieg: "Beim 100-Meter-Zeitfahren wollen wir gewinnen." Dafür soll Matthias Ehm sorgen. Der 26-jährige Sportstudent aus München ist in kürzester Zeit zum Profi-Aquaskipper geworden. "Du hast dabei so ein weiches, gleitendes Gefühl wie beim Fliegen", sagt er. "Wellen spürt man kaum."
Bevor er über den Starnberger See und gelegentlich sogar durch die Nordsee pflügt, muss Ehm sich aber erst einmal kräftig vom Ufer abstoßen, um die Startgeschwindigkeit zu erreichen. Sonst erleidet man mit dem Flieger unweigerlich eine Bruchlandung. Das ständige Hüpfen ist ungefähr so anstrengend wie Seilspringen. Auf dem Meer übersteht ein geübter Pilot dabei selbst größere Wellen. Anfänger landen dagegen auch am Badesee schnell im Wasser.
Entfernt an ein Tretboot erinnert das "Hydrobike", das Oliver Victor mit seiner Firma aus den USA importiert. Statt eines Schaufelrads treiben die Waden des Bikers eine Schiffsschraube an. Der Fahrradlenker ist mit einem Ruderblatt verbunden. Mit dieser Konstruktion erreicht man sieben Kilometer pro Stunde. Bei der letzten "Human Powered Boats"-WM hat Victor damit im Slalom den zweiten Platz geschafft.
Aber für echte Pilger sind natürlich Groths Schwimmschuhe erste Wahl. Seewandeln hat im Christentum schließlich Tradition. Nur seitliche Wellen sind für die Nachahmer Christi ein Problem. Denn wer dann nicht schnell genug die Füße anhebt, liegt schnell im Wasser. Und das wollen echte Pilger natürlich auf keinen Fall.
WassermarschLaufen mit den Mecklenburger Schwimmschuhen, geeignet bis 100 Kilo, auf Wunsch in verschiedenen Farben, Paar für 345 Euro,
www.schwimmschuhe.de Gleiten mit dem Aquaskipper von Hypervital, bis zu 27 Kilometer pro Stunde, 999 Euro,
www.aquaskipper.de