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Merken   Drucken   14.04.2005, 18:47 Schriftgröße: AAA

Sehr witzig   

Die Stimmung im Land ist trübe. Dabei ist Lachen nur eine Frage der Technik. Lachyoga macht auch Langweiler heiter, kreativ und fleißig. von Benno Stieber
Es war schon mal lustiger im Land: Reformstau in Berlin, die Konjunktur im Keller, ein Heer von Arbeitslosen auf der Straße. Während sich Deutschland einig Jammertal bedauert, kommen in Berlin-Schönefeld ein paar Leute jede Woche zu ihrer ganz persönlichen Montagsdemonstration zusammen. "Hahaha, hohoho", machen sie, hüpfen von einem Bein auf das andere und klatschen rhythmisch in die Hände. Spätestens nach einer halben Stunde ergeben sich alle Teilnehmer dem Lachrausch.
Arme Irre, Drogenopfer, oder einfach unverbesserlich heitere Zeitgenossen? Ganz anders. Es sind Jünger einer Wellness-Bewegung. Lachyoga ist eine junge Disziplin innerhalb der fernöstlichen Körperschule. Vor genau zehn Jahren begann der indische Mediziner Madan Kataria, aus den Techniken des Hunderte Jahre alten Haysa-Yoga das Lachyoga zu entwickeln. Heute ist es in Indien zur Massenbewegung geworden, etwa 300 Lachclubs gibt es dort. Sie schwören auf die belebende Wirkung.
Die Lachwelle bricht sich längst über Europa. In Kopenhagen treffen sich einmal im Jahr Zehntausende auf dem Rathausplatz zum Ablachen. Auch Deutsche gehen dafür nicht mehr in den Keller, sondern einmal in der Woche zum Lachclub. 50 bis 60 dieser Vereine gibt es bereits im Land. Die Mitglieder seien bunt gemischt, sagt Brigitte Abels, Gründerin des Kölner Lachclubs und Vorsitzende des "Verbandes Deutscher Lachyogatherapeuten". Allerdings sieht sie einen Frauenüberschuss.
"Professionelles Lachen ist eine weitgehend humorfreie Angelegenheit", erklärt Abels. Es braucht weder gut gesetzte Pointen noch krachlederne Zoten. "Alles nur eine Frage der Technik", sagt sie. Der Vorteil gegenüber herkömmlichem Yoga sei, dass die Übungen leicht zu erlernen sind. "Lachen kann jeder, da macht keiner Haltungsfehler", sagt Abels.
Weit über 100 Übungen kennt das Lachyoga, die das Zwerchfell ohne jeden Witz hüpfen lassen. Vom "Namaste-Lachen", bei dem man die Hände faltet und ein glucksendes "H-h-h-h" ausstößt, bis zum "Harley-Davidson-Lachen", bei dem man mit den Füßen aufstampft, als lasse man ein Motorrad an. Eine Übung, bei der man kichernd die Handflächen nach oben kehrt, könnte im Hartz-IV-Land zum Renner werden: das "Arme-Leute-Lachen".
Rupert Plenk, Ingenieur beim europäischen Patentamt in München, hat mit seiner Frau bereits zwei Lachseminare besucht. Am Anfang komme einem das "Hahaha" gezwungen vor, sagt er. Aber nach einer Weile mache es "klick", und das Lachen komme von selbst.
"Lachyoga löst keine Probleme, aber man bekommt eine heitere Distanz zu ihnen", sagt Plenk. Nach einer Stunde Lachen könne man freier atmen und fühle sich den Rest der Woche entspannter. Er hat sich vorgenommen, mindestens einmal in der Woche gezielt zu lachen.
Die Übungen sollen zudem das Immunsystem aktivieren, Schmerzen hemmen, Herz und Kreislauf stärken. Nicht viel davon ist bewiesen. Lachen selbst ist ein Phänomen, über das Wissenschaftler sehr wenig wissen. Noch vor einigen Jahren hielten es die Biologen für einen nutzlosen Reflex. Die Biologin Ilona Papousek von der Universität Graz hat sich deshalb daran gemacht, die Geheimnisse des Lachens zu entschlüsseln. In Zusammenarbeit mit Lachclubs in Deutschland erforscht sie in einer Feldstudie die Wirkung der Lachübungen auf Körper und Psyche.
Gesund oder nicht - Lachen baue Aggressionen ab, sagt Heiner Uber. Der Autor des Buches "Das Lachprinzip" beschäftigt sich seit Jahren mit der Lachkultur verschiedener Gesellschaften. In einem Gefängnis nördlich von Bombay, erzählt Uber, lasse der Direktor die Häftlinge täglich zum Ablachen antreten. Seitdem verbuche er weniger Aggression.
Lachen mache die Leute nicht nur friedlicher, betont Uber. Sie würden auch kreativer und leistungsfähiger. Deshalb bietet er Heiterkeitsseminare in Unternehmen an. Mit Erfolg. Uber zählt Banken und Versicherungskonzerne zu seinen Kunden.
"Am Anfang sind die Geschäftsleute befangen", sagt Uber. "Aber nach ein, zwei Stunden habe ich auch den Finanzvorstand in einem Zustand, in dem er zuletzt als 15-Jähriger war." Namen darf Uber nicht nennen. Die Herren haben Angst, sich lächerlich zu machen, wenn bekannt wird, dass sie sich in den Seminaren auf dem Boden kugeln. Für diese Klientel hat Uber seine Veranstaltung auch einen seriösen Namen gegeben. Die Manager lädt er zum "Laughter-Coaching".
  • Aus der FTD vom 15.04.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
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