Das Reiseziel Jamaika liefert die perfekte Kulisse
Geschmeidig wie ein Fisch schwimmt sie auf das Ufer zu. Sie steht im Sand und wringt sich das Wasser aus den langen Haaren. Ein makelloser Körper, von der karibischen Sonne zu einem sanften Bronzeton gebräunt. Ihr Bikini ist knapp, um die Hüfte trägt sie einen breiten Gürtel mit einem langen Messer. Die Meeresbiologin Honey Ryder ist ein Männertraum. Und die Schauspielerin Ursula Andress bis heute an Klasse von keiner anderen Bond-Gespielin übertroffen. Wenn man hier, nahe des Örtchens Oracabessa an der Nordküste von Jamaica, am Strand liegt, meint man in jeder Blondine, die den Fluten entsteigt, das sagenhafte Ur-Bond-Girl zu erkennen. Es fehlt nur noch, dass ER unter den Palmen und Jacarandabäumen, die den Strand säumen, hervortritt: "Gestatten, mein Name ist Bond, James Bond."
Die Kulisse jedenfalls ist authentisch. Die halbmondförmige Bucht mit dem weißen Korallensand ist nicht nur der Ort, an dem die Szene für "Dr. No" mit Ursula Andress und Sean Connery gedreht wurde. Sie ist auch so etwas wie der Geburtsort von James Bond. Nur wenige Schritte vom Strand entfernt, versteckt zwischen alten Mango- und Feigenbäumen, liegt Goldeneye, das Haus von Bond-Erfinder Ian Fleming. Hier schrieb er alle 14 Thriller. Zur Inspiration konnte er sich aus der eigenen Biografie bedienen. Als Spross der britischen Upperclass führte er das Leben eines Playboys, mit vielen Frauen und vielen Drinks. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er für den britischen Geheimdienst, so konnte er für neue Bond-Abenteuer aus einem Fundus an Erfahrungen schöpfen.
Die perfekte Kulisse
Jamaika lieferte die Schauplätze, an denen Sean Connery 1962, im ersten Bond-Film, gegen Dr. No kämpfte. Die perfekte Kulisse: weiße Strände, türkisblaues Wasser zum Schnorcheln, großartige Sonnenuntergänge und kleine Strandbars, die Cocktails mit viel Rum und Red Snapper vom Holzkohlegrill servieren. Aber es gibt auch das andere Jamaika. Jenseits der Küstenstraße, wo sich die Straßen weniger für einen Aston Martin, eher schon für einen Range Rover mit Allradantrieb eignen. Der Weg führt durch kleine Dörfer, vorbei an Papaya- und Akee-Plantagen in die Hügel hinauf. Bis zur Ostspitze der Insel, wo das Städtchen Port Antonio vor sich hindämmert.
Zu Flemings Zeiten war es Lieblingsziel der High-Society und Schauplatz wilder Parties. Beliebter Treffpunkt war das Haus von Hollywoodstar Errol Flynn. Er organisierte Segelausflüge, mondäne Picknicks auf Navy Island und vor allem: Rafting auf dem Rio Grande. Ein Vergnügen, das auch heute noch möglich ist. Früher wurde der Fluss als Wasserstraße genutzt, über die man die Bananen von den Plantagen hinunter zum Meer transportierte. Aber Errol Flynn und seine Freunde entdeckten, dass man mit den langen, schmalen Bambusflößen viel mehr Spaß haben konnte, wenn man sie für kleine Lustpartien nutzte, in Begleitung einer Flasche weißen Rums, einiger Marihuanazigaretten und weiblicher Gesellschaft, möglichst unter 18 Jahren. Diese Vorstellung von "having a good time" prägte auch Flemings Bücher und die frühen Bond-Filme - vor dem Einzug der Political Correctness. In der literarischen Vorlage zu "Dr. No" raucht Bond noch 60 Zigaretten am Tag und trinkt jede Menge Wodka Martinis, "shaken, not stirred".
Goldeneye aber ist etwas Besonderes
Heute sind es die Touristen, die auf der Terrasse von Goldeneye Wodka Martinis bestellen. Ian Flemings Haus wird seit einigen Jahren als kleines Hotel geführt. Auch der heutige Besitzer war damals am Set von Dr. No mit von der Partie - als Location Manager. Chris Blackwell machte anschließend mit seinem Label Island Records und als Entdecker von Bob Marley Karriere im Musikbusiness, heute besitzt er mehrere kleine Hotels in der Karibik. Goldeneye aber ist etwas Besonderes. Wegen seiner Geschichte und der Lage an der Steilküste.
Im Haupthaus steht noch Flemings Original-Mobiliar. Von seinem Schlafzimmer fällt der Blick auf das Meer und den tropischen Garten, wo sich Lianen und Efeu wie dicke, träge Schlangen um mächtige Stämme ranken. Verständlich, dass Fleming seinen Schreibtisch in eine Ecke des Schlafzimmers stellen ließ, mit Blick auf die Wand - kein Mensch hätte bei dieser verführerischen Aussicht arbeiten können. Es ist der Schreibtisch, an dem der Agent 007 erschaffen wurde. Als Fleming sein erstes Buch "Casino Royale" (Es wird derzeit mit Neu-Bond Daniel Craig in der Karibik verfilmt) beendet hatte, fehlte ihm noch ein Name für seinen Helden. Sein Blick fiel auf eines seiner Lieblingsbücher: "Birds of the West Indies" - von einem gewissen James Bond. So kam es, dass der berühmteste Spion aller Zeiten nach einem Ornithologen benannt wurde.
Kiss, kiss, bang, bang!