Manchmal öffnete er eine kleine Kiste. Erinnerungsstücke, sagte er. Darin war etwa eine fingergroße Kanone, die (wie ich heute weiß) für Feuerwerkskörper gemacht war. Mein Vater aber erklärte, damit habe er einst Schiffe beschossen - ganz kleine eben.
Irgendwann, sagte mein Vater, habe sich die Seeräuberei nicht mehr gelohnt. Da habe er eben auf Zahnarzt umgeschult. Ich hatte keine Zweifel an seiner Darstellung. Schließlich waren wir ja auch dauernd zu Schiff unterwegs. Mächtige Fähren schipperten uns durch die Ostsee zu schwedischen Urlaubszielen. Schiffe waren Freiheit.
Die schwedischen Passagiere waren die ganze Zeit betrunken vom zollfreien Schnaps, es gab eine Bar, in der eine Frau mit Glitzerkleid sang, und ein Casino mit Black Jack. Sogar meine Mutter war an Bord so ausgelassen, dass sie eine Bloody Mary trank. Irgendwann kamen träge Übernacht-Fährfahrten außer Mode. Meine Eltern checkten auf einem High-Speed-Katamaran ein. Leider war die See etwas aufgebracht, deswegen flitschte der Katamaran über die Wellen wie ein flacher Kiesel und zog hinter sich eine Spur von Magensäure her.
Seitdem urlauben meine Eltern im Spreewald. Ich selbst bin des Wassers entfremdet, sitze nur noch im Flugzeug. Falls ich mal einen Sohn habe, könnte ich ihm ja erzählen, sein Vater sei Luftpirat gewesen. Aber das ist irgendwie nicht dasselbe.