Nirgendwo ist man Blicken so ausgeliefert wie am Strand: Das Outfit muss gut sitzen. Die Zeiten sind vorbei, in denen man schwer bepackt mit Kühltasche, Sonnenschirm, Luftmatratze und dem Beachballspiel auftrumpfte. Ein paar Regeln für den Wettbewerb der Strandschönheiten: wo welcher Typ gefragt ist und in welchem Bikini man ihn am besten erobert.
An der Côte d'Azur
Sie ist so schön, weil sich an ihr schöne Menschen tummeln. Es sind die kleinen Dinge des Lebens, die in der High Society ganz groß rauskommen. Das Strandhandtuch hält nicht nur lästige Sandkörner vom nassen Körper fern. Es zeigt auch, wer der Herrscher des Territoriums ist. Prunkt unterm Sonnenschirm im Strandbad von St. Tropez ein silberner Champagnerkübel, dann liegt ein Handtuch von Versace daneben, in Leopardenoptik oder mit den für das italienische Designerhaus typischen opulenten Blumenmustern. Das Frottee ist so weich, dass Schampusgläser geräuschlos darin versinken. Ein bunter Pareo, ein Wickelrock, der leger um die Hüften geknotet und in diesem Sommer auch von Männern getragen wird, macht das Outfit komplett.
Für die Frau gilt: Um ihn und einen Platz in seinem Reich zu erobern, greift sie am besten zum Partnerlook: einem Bikini mit animalischem Print. Um Gusto und Status zu unterstreichen, gehört auch der Goldschmuck dazu - wuchtige Fingerringe und Creolenohrringe, die im Sonnenschein blitzen.
An der Copacabana
Sie ist eine Bühne, auf der der Schein über das Sein entscheidet. Menschen liegen nicht, sondern stehen am Strand. Der Playboy posiert gut sichtbar mittendrin. Sein Erkennungsmerkmal ist die dunkle Sonnenbrille, die er lässig im Haar knapp über der Stirn zur Schau trägt, oder runter bis auf die Nase schiebt, wenn die Anwesenheit zu vieler Angebeteter seine rotierenden Augen zu blenden droht.
Er benötigt nichts außer einem geölten Körper in Bronzeteint - und große, getönte Brillengläser mit schwarzem oder silberverchromtem Rahmen. Die von Armani oder Costume National beweisen Coolness mit Stil. Um den Sprung vom Aufreißer zum Playboy von Welt zu meistern, trägt er eine silberne Kette mit Jesuskreuzanhänger von Dolce & Gabbana. Im Gegensatz zum vergoldeten Klischee ist die glaubwürdig und wird von den Italienern schon als Insider-Accessoire gehandelt.
Eroberungstaktik für die Frau: Bessere Chancen hat sie, wenn der Stoff ihres Bikinis knapp bemessen ist. Beim Badeanzug von Dsquared2 legen sich spaghettiträgerdünne Bahnen um den Körper, die tiefe Einblicke erlauben. Highheels am Strand sind peinlich, denn der aufrechte Gang gelingt damit nur wenigen. Besser sind flache Sandalen, auf denen Strass oder Glasperlen glitzern.
In der Karibik
Der weiße Sand sieht aus wie Puderzucker, das Meer hat Badewannentemperatur. Um die Idylle nicht zu stören, ist die Kleidung elegant. Der Kosmopolit trägt klassische Schnitte und gedeckte Farben. Er zieht eine Badehose an, die seinen Charakter unterstreicht: Gucci und Dolce & Gabbana zeigen in ihrer Sommerkollektion Badeslips, die- dezent braun gemustert zum Urlaub unter Palmen passen. Galant reicht er der Dame Feuer, mit einem Zippofeuerzeug, auf dem bescheiden seine Initialen glänzen.
Die Frau, die den Gentleman für sich gewinnen will, muss Geschmack und Haltung beweisen. Das tut sie in einem Bikini im Stil der 60er Jahre - ohne viel Firlefanz, in Beige oder Schwarz. Einziges Detail: eine goldene Spange am Bikinihöschen, wie bei dem von Versace.
Am Bondi Beach
Dieser Strand in Sydney ist ein Hort für Helden. Der Surfer plant hier sein nächstes Abenteuer. Die Montur ist sportlich und lässig. Die Badeshorts sind von Calvin Klein oder Ralph Lauren, die Flipflops von Havaianas, denn das bequeme Kautschukmaterial des brasilianischen Kultlabels tut auch dann nicht weh, wenn es mit Sand und Salzwasser in Berührung kommt. Alkohol unterstützt die Wirkung von Geschichten über Haie und sonstige Gefahren ungemein. Den hat der Surfer in der Kühlbox, die in den Händen eines Sunnyboys Kult und keineswegs spießig ist.
Für die Abenteurerin: Die Liebe der Surfer gilt in erster Linie ihren Brettern. Die Surferfrau wartet am Strand - oder schwimmt hinterher, in einem sportlichen Ensemble in leuchtenden Farben.
Auf Rügen
Der Schöngeist liebt das Understatement - und damit die Ostsee. Seinen Intellekt kleidet er in ein gestreiftes Hemd von Paul Smith, seinen Geist schützt er mit einem Strohhut vor der Sonneneinstrahlung. Das Accessoire feiert in diesem Sommer sein Revival. Ist er nicht in einen Bestseller vertieft, spielt er am Strand Schach.
Wer mit ihm Schach spielen will: Sie setzt ebenfalls auf Understatement. Alles, was grell und opulent ist, bleibt zu Hause und wird durch einen edlen Strickbikini von Missoni ersetzt. Passende Accessoires sind in diesem Sommer aus Bast, zum Beispiel eine Strandtasche im XXL-Format oder Bastschläppchen, die mit Blumen verziert sind.