Thomas Frickes Tagebuch aus der Welt der Wirtschaftswunder - über wunderbare Wachstumstrends, wundersame ökonomische Klischees und wundervolle wie verwunderliche Theorien
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19. August 2008 19:50 Uhr
André Kühnlenz
Vom 20. bis 23. August treffen zum dritten Mal Nobelpreisträger der Wirtschaftswissenschaften mit 300 Nachwuchsökonomen in
Lindau zu einer Konferenz zusammen. Diesmal sind 14 Laureaten sowie der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus dabei. Unter ihnen Robert Solow, der seine neuesten Forschungsergebnisse zum Mindestlohn präsentieren wird. Die werden in Deutschland nicht allen gefallen.
Es sei in der Praxis kaum belegbar, dass Mindestlöhne die Beschäftigung im Niedriglohnsektor von Ländern wie Deutschland gefährden, sagt der Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT). „Unternehmen können die höheren Kosten oft durch höhere Produktivität ausgleichen.“ Damit stellt er sich gegen eine in Deutschland weit verbreitete Auffassung unter Ökonomen und Wirtschaftsverbänden, das Mindestlöhne automatisch zu höherer Arbeitslosigkeit führen. In vielen Ländern wie den USA oder Großbritannien gibt es einen Mindestlohn.
Solow hat die Wirkung von Mindestlöhnen auf die Arbeitsmärkte in den USA, Deutschland, Dänemark, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden verglichen. „Der konventionelle Gegensatz zwischen niedrigen Löhnen bei hoher Beschäftigung in den USA und hohen Löhnen bei niedriger Beschäftigung in Europa ist nicht annähernd so deutlich wie gemeinhin vermutet“, resümiert Solow.
Auch der in Chicago lehrende Nobelpreisträger Robert Fogel äußerte sich vor der Konferenz zum Mindestlohn, wie aus der Pressemitteilung der Organisatoren hervorgeht. Er sehe zumindest in Bezug auf den Niedriglohnsektor keine große Gefahr durch Mindestlöhne. „Die dort Beschäftigten arbeiten in Dienstleistungsindustrien, die nicht im internationalen Wettbewerb stehen“, sagt Fogel und nennt etwa die Fast-Food-Industrie.
An der Konferenz nehmen 300 Nachwuchswissenschaftler aus 58 Ländern teil. Sie wurden aufgrund ihrer herausragenden Leistungen aus 2500 Bewerbungen ausgewählt, wie es weiter hieß. 30 Notenbanken und internationale Institutionen wie die Weltbank und Internationaler Währungsfond haben ebenfalls ihre besten Nachwuchsökonomen nominiert.
Kommentare
Ein Rätsel für Ökonomen:
„Unternehmen können die höheren Kosten oft durch höhere Produktivität ausgleichen.“
Angenommen ein Ackermann mit einem Kostenpotential von mindestens 15.000.000 Euro wird durch 416 sozialversicherungspflichtigen ackernden Männer und Frauen zu je ca. 3.000 Euro ersetzt. Um wie viel könnte angenommen die Deutsche Bank ihre Produktivität erhöhen?
Die DB ihre Verluste minimieren?
Ihren Kunden, u.a. der Stadt Hagen Verluste von 50.000.000 Euro durch eine bessere Beratung ersparen?
Oder dessen Gewinne verbessern?
Die gleiche Frage gilt auch für einige anderen Firmen.
„Werte haben die geschafft, die anderen etwas (un)freiwillig überlassen, was andere für sich als Wert deklarieren.“
Ein Rätsel für Politiker:
Wie viel, (wenige) tausende können Kapitalflucht begehen?
Es sind nicht nur die Verdienten sondern auch Aktionäre und Global agierende.
TIP: Malen Sie sich noch einmal (gedanklich) den Wirtschaftskreislauf des Geldes auf. Stellen Sie sich vor das dieser Kreislauf ein Apfel ist. (Biologisch ein Ökokreislauf) Und nun gehen Sie an dem Apfel mit einem riesigen Sparschäler oder auch Entkerner heran!
Keine weiteren Fragen.
Das Ergebnis von R. Solow sollte für nachdenkliche Ökonomen nicht überraschend sein. Denn diese wissen, dass die Welt nicht nach dem Grundstudium Mikroökonomik, wo Arbeitsmärkte der vollständigen Konkurrenz unterliegen, funktioniert. Folglich ist nicht mit massiven Beschäftigungseinbussen auf nationalen Märkten zu rechnen, wenn Mindestlöhne eingeführt würden. Denn in einigen Branchen können die Unternehmen aufgrund ihrer Nachfragemacht die Löhne unter das Existenzminimum drücken. Mit vollständiger Konkurrenz hat dies eben nichts zu tun.
Aber in Deutschland haben einige Ökonomieprofessoren und ihre Jünger ihre Lehrbücher derart verinnerlicht, dass sie gar nicht mehr aus dem Einfachdenkmustern ihrer Lehrbücher herausfinden. Leider werden auch die Erkenntnisse international hoch angesehener Ökonomen wie Solow ohne viel Echo in der deutschen Ökonomenlandschaft verhallen, da sie nicht zur ideologischen Überzeugung passen.
wird man davon in den Medien kaum Notiz nehmen können. Anders als wenn das DIW mal wieder neue Horrorszenarien den Mindestlohn betreffend absondert :(
Ein wesentlicher Punkt:
Die Analysen stammen von Nobelpreisträgern.
In Deutschland haben WaldundWiesenÖkonomen, Politiker und unbedarfte Journalisten das Wort.
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