Wer die Wirtschaftsentwicklung 2008 am besten vorausgesagt hat - und wer daneben lag.
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Ein Ölpreis von zeitweise 150 $ je Barrel, der Euro bei fast 1,60 $ und eine Finanzkrise, die sich im September dramatisch zugespitzt hat – all das war vor einem Jahr kaum vorhersehbar. Trotzdem schnitten die Auguren auf den ersten Blick gar nicht so schlecht ab, Deutschlands Wirtschaftswachstum für das Gesamtjahr 2008 vorherzusagen. Denn das war noch stark vom guten Start ins Jahr geprägt – und dürfte immerhin noch einmal 1,5 bis 1,6 Prozent erreicht haben.
Der Haken: Die meisten Prognostiker rechneten nicht mit einem regelrechten Abschwung, sondern lediglich mit einer kurzfristigen Abschwächung im ersten Halbjahr 2008. Spätestens zum Jahresende würde sich die Lage dann bereits wieder bessern, so die meistgeäußerte Erwartung. Dass es am Ende genau umgekehrt kommen würde, weil ein dramatisch gestiegener Ölpreis, die starke Euro-Aufwertung und eine ungeahnte Zuspitzung der Finanzkrise dazukamen, damit rechneten nur wenige – am nächsten dran lag am Ende daher einer der größten Skeptiker des bisherigen Aufschwungs: Gustav Horn, Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) und einer der fünf Ökonomen, die gestern beim Konjunkturgipfel im Kanzleramt dabei waren.
Als Einziger unter den mehr als 50 Experten, die in der diesjährigen Auswertung der Financial Times Deutschland analysiert wurden, prognostizierte Horn im Dezember 2007 ein Wachstum für 2008 von lediglich 1,5 Prozent. Das ist die Rate, die nach den jüngsten Institutsschätzungen auch tatsächlich herauskommen dürfte. Als einer der wenigen lag er auch richtig mit seiner Vermutung, dass der von fast allen erwartete Konsumschub dieses Jahr ausbleiben werde und die Turbulenzen an den Finanzmärkten dem deutschen Aufschwung ein Ende setzen würden.
Die meisten Auguren hatten 2008 für den Konsum Wachstumsraten von 1,4 und mehr erwartet, Horn nur 0,8 Prozent. „Wir sehen kaum Chancen, dass der private Konsum in Deutschland im kommenden Jahr zur Konjunkturstütze wird“, so Horn im Dezember 2007. Den Grund sah er damals unter anderem in den hohen Energiepreisen, die die Kaufkraft schmälern und daher den Konsum bremsen würden.
Selbst Horn war damit noch etwas zu optimistisch: Die Deutschen dürften ihre Konsumausgaben dieses Jahr real sogar noch gesenkt haben. Die Institute RWI und Ifo gehen derzeit von minus 0,1 Prozent aus, die Bundesbank sogar von minus 0,4 Prozent.
Außerdem warnte Horn Ende vergangenen Jahres, dass die Finanzkrise noch lange nicht überstanden sei. Sie werde sich „in steigenden Wellen global ausbreiten, auf die Realwirtschaft übergreifen und die Weltkonjunktur belasten“, schrieb er im Dezember 2007.
Nachdem in den beiden Jahren zuvor die Optimisten mit ihren Prognosen am besten lagen, war 2008 ein Jahr für Pessimisten – wie Horn. Im Jahr 2007 hatte er die Kraft des damaligen Aufschwungs noch stark unterschätzt.
Ähnlich skeptisch waren im vergangenen Dezember auch Véronique Riches-Flores von der Société Générale und Elga Bartsch von Morgan Stanley. Die beiden Volkswirtinnen prognostizierten nur ein Wachstum von 1,6 Prozent für Deutschland. Sie hatten vor allem die Abschwächung des Welthandels richtig eingeschätzt. Die Exporte würden unter der sinkenden Weltnachfrage leiden, und der Konsum werde diese negativen Entwicklungen nicht auffangen können, vermuteten sie zu Recht. „Wir prognostizieren eine spürbare Abschwächung angesichts schwächeren globalen Wachstums, einer starken Währung und engeren Kreditmärkten“, schrieb Elga Bartsch vor einem Jahr.
Auffällig gut getroffen hat dieses Mal sogar die Bundesregierung mit einem Wert von 1,7 Prozent. In den vergangenen Jahren hatten die Beamten des Ministeriums meistens ziemlich weit danebengelegen.
Wie schwierig die konjunkturelle Situation Ende 2007 einzuschätzen war, zeigt auch die Prognose von Carsten Klude von M.M. Warburg, der in den vergangenen Jahren immer unter den zehn besten Prognostikern gelegen hatte. Mit einer Wachstumsprognose von 1,7 Prozent lag er auch dieses Mal recht gut. In seiner Begründung fielen auch die richtigen Stichworte: „Auch für die USA lässt sich eine Rezession im Jahre 2008 nicht mehr ausschließen“, hatte er damals geschrieben. Allerdings überschätzte auch er die Stärke des deutschen Konsums.
Die realistischste Einschätzung über den deutschen Konsum hatte übrigens David Kohl von der Schweizer Bank Julius Bär. Mit 0,4 Prozent lag er von allen 53 Prognostikern am nächsten an den aktuellen Schätzungen. Dafür sagte er das BIP-Wachstum mit 1,8 Prozent weniger treffsicher voraus.
Der größte Pessimist für 2008 war der Chefökonom der BHF-Bank, Uwe Angenendt. Er erwartetete Ende 2007 nur ein Wachstum von 1,2 Prozent. Die Skepsis war gerechtfertigt, doch die Prognose insgesamt zu pessimistisch, weil er nicht mit dem Wachstumsschub zum Jahresbeginn gerechnet hatte.
Kuriosum am Rande: Eine der besten Prognosen lieferte für 2008 eine US-Investmentbank namens Lehman Brothers – die im September bekanntlich pleiteging.
Abgeschlagen auf den hintersten Plätzen landeten – wie schon in den Jahren zuvor – die amtlichen Prognostiker von EU-Kommission, OECD sowie die Gemeinschaftsdiagnose der Forschungsinstitute. Sie waren mit BIP-Prognosen von 2,1 und 2,2 Prozent viel zu optimistisch. Allerdings hatten sie ihre turnusgemäßen Prognosen schon im Oktober oder November 2007 abgeschlossen.
Das vollständige Ranking 2008 sowie alle Details zur Auswertung und den Kriterien finden Sie in der Montagsausgabe der FTD.





