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Merken   Drucken   02.07.2009, 08:30 Schriftgröße: AAA

Agenda: Ätsch zu den Stiftern

Dossier Mit einer riskanten Anlagestrategie haben die Finanzmanager von Harvard, Yale & Co. in guten Zeiten gewaltige Gewinne erzielt. In den vergangenen Monaten fuhren sie Milliardenverluste ein. Doch mancher Chefanleger hält stur an seinem Kurs fest. von Nele Husmann (New York)
Fast wie ein Ufo sieht das Gebäude aus: Verschachtelte Stahlkonstruktionen, keine rechten Winkel und jede Menge Glas - so baut der Stararchitekt Thom Mayne für 150 Mio. $ zurzeit zwischen den Ziegelsteinhäusern in New Yorks East Village. Als wolle die kleine Privatuniversität Cooper Union Ätsch sagen zu den ehrwürdigen Unis in den USA, zu Harvard, Yale oder Princeton, die wegen ihrer alten efeubewachsenen Bauten auch unter dem Namen Ivy League zusammengefasst werden.
Cooper Union ist jünger als die Efeu-Unis, vor 150 Jahren gegründet von einem Philanthropen, sie kassiert keine Studiengebühren, ist bekannt für ihren Lehrstuhl für Architektur und eine Anlagepolitik, die man langweilig schimpfte und die sich nun als Segen herausstellt. Die Finanzkrise hat bei der Uni kaum Spuren hinterlassen, und so kann sie derzeit Professoren einstellen, ein neues Institut für umweltfreundliches Design gründen, ein neues Master-Programm für Architekten auflegen und eben ihren alten Sitz am Astor Place renovieren.
Cooper Union ist ein seltener Fall in Amerikas Bildungselite. Im ganzen Land kürzen die Universitäten ihre Ausgaben, allen voran die Ivy League. So musste Harvard wichtige Neubauten stoppen, 275 Leute entlassen und das warme Frühstück für Studenten streichen. Die Präsidentin von Princeton kündigte in einem Rundbrief an, 170 Mio. $ einsparen zu müssen.
Die Hochschule Yale hat rund 9 Mrd. $ ihres Vermögens mit ...   Die Hochschule Yale hat rund 9 Mrd. $ ihres Vermögens mit riskanten Derivaten verzockt
Die Hochschulen haben sich verzockt, haben auf Hedge-Fonds und riskante Derivate gesetzt. Harvard hat so im Vorjahr 11 Mrd. $ verloren, Yale rund 9 Mrd. $ - ein Drittel ihres Vermögens.
Ein Schock für die Eliteunis. Viele Jahre ließ sich Yales Chefanleger David Swensen für seine revolutionäre Anlagestrategie feiern, die zum Modell wurde für Unis in der ganzen Welt. Swensen hatte eine Idee seines Ziehvaters James Tobin umgesetzt. Tobin hatte 1981 für seine Portfoliotheorie den Nobelpreis bekommen, die besagt, dass man mit schwer handelbaren Anlageklassen höhere und sicherere Erträge erzielen kann als allein mit Aktien und Anleihen. Auf Swensens Bedarf heruntergebrochen bedeutete dies: Stiftungen, die ja langfristig planen und keine unerwarteten Mittelabflüsse haben, sollten weniger in Aktien und Anleihen investieren, sondern mehr in alternative Geldanlagen. So nahm Swensen neben Hedge-Fonds auch Direktinvestments ins Yale-Portfolio auf, investierte in Öl, Gas und Immobilien, finanzierte Technikfirmen wie Cisco, Yahoo und Amazon, kaufte Wälder in Maine und Idaho, beteiligte sich an der Privatisierung russischer Unternehmen und gab chinesischen Gründern Startkapital. Zehn Jahre lang, bis ins vergangene Jahr erzielte er eine Rendite von 16 Prozent, der Durchschnitt aller Unis erreichte gerade die Hälfte.

Teil 2: Alle setzten auf die Yale-Strategie

  • Aus der FTD vom 02.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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