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Merken   Drucken   27.02.2007, 19:30 Schriftgröße: AAA

Agenda: Campus Corp.

Sie macht Immobiliendeals, engagiert Headhunter, betreibt einen Flugplatz: Die TU Darmstadt ist die erste autonome Uni Deutschlands. Sie handelt wie ein Unternehmen - und soll Modell für andere Hochschulen stehen. von Marion Schmidt (Darmstadt)
Forschung an der TU Darmstadt   Forschung an der TU Darmstadt
Der Weg zum Hörsaal ist ein Hindernislauf. Unter Baugerüsten balancieren die Studenten an Absperrgittern entlang, müssen aufpassen, nicht über die Maurerkelle zu stolpern. An der Technischen Universität Darmstadt (TUD) nimmt man den Umbau des deutschen Hochschulsystems gerade wörtlich. Das Gelände ist eine einzige Baustelle.
Überall Stahlträger, Gerüste, Bagger, Kräne. Das Universitätszentrum wird umgestaltet, die Bibliothek dahinter neu gebaut, daneben ein Hotel hochgezogen. Und das Wissenschafts- und Kongresszentrum gegenüber feiert bereits Richtfest. 468 Mio. Euro investiert die TUD in ihre Baumaßnahmen.
Sie darf über solche Summen nur deshalb frei verfügen, weil sie seit Anfang 2005 autonome Modelluni des Landes Hessen ist - ausgestattet mit einem eigenen Gesetz, das ihr so viel Selbstständigkeit ermöglicht wie sonst keiner staatlichen Hochschule in Deutschland. Die TUD darf handeln wie ein Unternehmen. Und sie tut es auch: Sie ist eigenverantwortlich für ihr Budget, darf Personal einstellen und entlassen, Gehälter verhandeln, Studenten auswählen, Studiengänge einführen oder streichen, Tochterbetriebe gründen. Und eben Gebäude bauen, kaufen oder verkaufen.
Freiheit als Chance begreifen
Was für gewöhnliche Firmen selbstverständlich ist, war deutschen Hochschulen lange Zeit verboten. Sie hatten sich auf Lehre, Forschung und Selbstverwaltung zu konzentrieren. Für die strategische Ausrichtung, Geld und Mitarbeiter war der Wissenschaftsminister des Bundeslandes zuständig. Doch jetzt sehen immer mehr Politiker, dass sich wissenschaftliche Exzellenz nicht von oben verordnen lässt, sondern nur durch mehr Eigenverantwortung und Wettbewerb entsteht. Und während sich einige Hochschulen noch an die neue Freiheit gewöhnen müssen, nutzen andere bereits ihre Chance.
Den Masterplan zum Umbau der Darmstädter Uni hat Thorsten Schmidt entworfen. Der Baudezernent der TUD hält das neue Gesetz für "einen enormen Verwaltungsbeschleuniger". Heute könnte er - rein theoretisch - das Barockschloss abreißen lassen, das die Bibliothek beherbergt, ohne den Wissenschaftsminister um Erlaubnis zu fragen. Einzige Bedingung: Der Hochschulpräsident ist derselben Meinung. Denn ohne den Präsidenten läuft nichts mehr an der autonomen Uni.
Johann-Dietrich Wörner hat lange für die Freiheit gekämpft. "Nur mit mehr Eigenverantwortung ist auch mehr Qualität möglich", sagt Wörner, der die TUD seit mehr als zehn Jahren leitet. Als erste Amtshandlung nach Inkrafttreten der Autonomie hat Wörner erst mal einen Flugplatz gekauft. Damit ist die TU Darmstadt die einzige deutsche Uni, die direkt aus der Luft erreichbar ist. Allerdings darf die hochschuleigene Cessna nur zu Forschungszwecken abheben. Die Maschinenbauer untersuchen Luftverwirbelungen, unter anderem im Auftrag des Flughafens Frankfurt.
Im Hochschulalltag ist die Autonomie spür- und sichtbar. So darf die Uni ihre Studenten selbst auswählen; festlegen, wie viele Bewerber sie überhaupt zulässt. Im Fachbereich Maschinenbau ist die Zahl der Studienabbrecher dadurch gesunken - die Motivation der Studenten gestiegen.

Lesen Sie weiter, welche Vorteile für die Studenten entstehen

  • Aus der FTD vom 28.02.2007
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