Unterricht in einer Hauptschule: Schüler sollen neues Selbstvertrauen fassen
Sein Ansatz: den Schülern neues Selbstvertrauen einflößen. "Viele sind nämlich nicht dumm, sondern vor allem frustriert und ohne Selbstbewusstsein." Deshalb gibt es Kampfsport, deshalb studieren sie ein Musical ein und arbeiten mit Holz. Aber es gibt auch Crashkurse in Rechnen, Lesen und Englisch. Lehrer, Sportlehrer, Coachingexperten, Schreinermeister, Psychologen: 22 Betreuer kümmern sich um die 64 Teilnehmer - ein Betreuungsverhältnis, von dem Hauptschüler sonst nur träumen können.
Das Sommercamp gehört zu den ersten Versuchen, schwache Schüler durch Extraförderung reif für eine Ausbildung zu machen. 80.000 Hauptschüler haben die Schule zuletzt ohne Abschluss verlassen - viele von ihnen melden sich arbeitslos. Aus diesem Grund hat sich die Arbeitsagentur entschlossen, erstmals vor dem Schulabschluss aktiv zu werden und die Maßnahme mitzufinanzieren. "Wenn wir uns früher für die schwierigen Schüler interessieren, können wir viel Geld sparen", sagt der Vorstandschef der Bundesagentur, Frank-Jürgen Weise. Denn schaffen die Schüler einen Abschluss, finden sie auch leichter eine Lehrstelle. Die BA zahlt pro Schüler im Camp 1500 Euro, die halbe Teilnahmegebühr. Die andere Hälfte zahlt die Hertie-Stiftung, die sich für benachteiligte Schüler einsetzt.
Erste Ergebnisse aus dem Pilotprojekt 2007 klingen vielversprechend. Die Hälfte der Campbesucher strebe nun die mittlere Reife an, zwei Drittel hätten ihre Noten verbessert, drei Viertel ihr soziales Verhalten, so Czerwenka. Allenfalls zwei oder drei Schüler würden wohl keinen Abschluss schaffen. Und so gibt es dieses Jahr schon zwei Camps, im Harz und auf Sylt. Im nächsten Jahr sollen acht weitere folgen.
Ob aus der Nothilfe für wenige in Zukunft mehr werden kann, ist jedoch fraglich. Umstritten ist, ob sie überhaupt zur Aufgabe der BA gehört. Bildung ist schließlich Ländersache. Zudem fließen hier Beitragsmittel, die beispielsweise auch eine weitere Senkung des Arbeitslosenbeitrags finanzieren könnten. BA-Chef Weise glaubt trotzdem, dass die frühe Hilfe eine gute Investition ist.
Das zeigt auch der Fall der 15-jährigen Jennifer. Bevor sie ins Camp kam, hatte sie fünf Wochen lang die Schule geschwänzt. Es folgte der Schulverweis. Nun ist die Rebellin hier. Eine Woche hat sie provoziert, aufgewiegelt, wo sie konnte, und alles getan, um nach Hause geschickt zu werden, erzählt eine Betreuerin. Doch jetzt scheint der Widerstand gebrochen. Im Unterricht gehört sie zu den Aktiven, sie macht begeistert mit bei Computerkurs und Bewerbungstraining. "Ich möchte Rettungsassistentin werden - und dazu brauche ich einen Hauptschulabschluss", sagt Jennifer.