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Merken   Drucken   30.01.2008, 07:00 Schriftgröße: AAA

Aus dem Imbiss in den Tank  

Biokraftstoffe aus Nahrungspflanzen verlieren ihren guten Ruf. Dagegen könnte sich altes Speiseöl als eine alternative Energiequelle etablieren. von Daniel Hautmann
Dass Biokraftstoffe gar nicht immer so bio sind, hat inzwischen auch die EU-Kommission anerkannt. Laut ihrem letzte Woche verabschiedeten Klimaschutzpaket soll der Marktanteil pflanzlicher Kraftstoffe zwar steigen, für seine Erzeugung soll aber kein Raubbau an der Natur mehr betrieben werden dürfen. Gänzlich unverdächtig ist da der Kraftstoff, mit dem die österreichische Gemeinde Fritzens ihr Blockheizkraftwerk betreibt: gebrauchtes Pflanzenfett aus der Gastronomie und Privathaushalten. Das anrüchige Material wird in großen Plastikbehältern gesammelt, die auf den Recyclinghöfen angenommen werden. Dort kommt genug Öl zusammen, um einen Sechs-Zylinder-Schiffsdiesel anzutreiben.
"Der Motor arbeitet mit einem Wirkungsgrad von 88 Prozent", sagt Michael Melzer, Sprecher des deutschen Maschinenbauunternehmens MAN, das den Motor geliefert hat. Er verspricht sich von der Verbrennung der fettigen Abfälle einen guten Markt: "Wir haben bereits mehrere Motoren für den Betrieb mit Pflanzen- oder Altöl ausgeliefert. Im Moment handelt es sich noch um ein kleines Geschäftsfeld, aber die Wachstumsraten sind sehr vielversprechend."
In Fritzens werden mit dem Strom aus der Frittenfett-Anlage rund 3500 Haushalte versorgt. Die Abwärme des Aggregats wird zum Teil in das Fernwärmenetz eingespeist, zum Teil in der örtlichen Kläranlage genutzt. Dort beschleunigt sie den Fäulnisprozess und trocknet den Klärschlamm. Der getrocknete Schlamm kann verheizt werden, ebenso wie die beim Faulprozess entstandenen Gase.
Auch auf dem Markt für Automobilkraftstoffe halten Speiseölreste Einzug. Als Weltmarktführer in diesem Segment bezeichnet sich die Petrotec AG aus dem westfälischen Borken. Etwa 65.000 Tonnen Biodiesel produzierte das Unternehmen im Jahr 2006. Das Altfett koste je nach Qualität im Einkauf pro Tonne zwischen 3 Euro und 500 Euro, das Endprodukt werde für rund 725 Euro verkauft, sagt Petrotec-Sprecher Falk von Kriegsheim.
Weil Automotoren empfindlicher sind als ein Schiffsdiesel, muss das Fett aufbereitet werden. "Messer, Gabel, Chicken Wings und auch mal eine Fingerkuppe werden rausgefiltert", sagt von Kriegsheim. "Anschließend wird raffiniert." Dieser Schritt frisst viel Energie - schlecht für die Ökobilanz, trotzdem hält von Kriegsheim sein Produkt für grün: "Altspeisefett hat ein CO2-Einsparpotenzial von 77 Prozent gegenüber gewöhnlichem Dieseltreibstoff. Außerdem verbrennen wir Abfall." Vom EU-Klimaschutzpaket fühlt man sich in Borken ermutigt: "Wir bauen unsere Kapazitäten aus. Ab dem Frühjahr werden wir rund 200.000 Tonnen haben."
Noch im letzten Jahr lief es nicht so geschmiert: Dem Preiskampf auf dem Biodieselmarkt war Petrotec nicht gewachsen, das Unternehmen stellte die Produktion ein und setzte die Mitarbeiter auf Kurzarbeit. Inzwischen laufen die Anlagen wieder, doch jetzt wird Biotreibstoff mit 15 Cent pro Liter besteuert und ist kaum noch billiger als herkömmlicher Treibstoff.
Georg Gruber, Gesellschafter bei den Vereinigten Werkstätten für Pflanzenöltechnologie, sieht die Zukunft von Speiseöl eher in Großmotoren wie dem Fritzenser Blockheizkraftwerk: "Stationär macht mehr Sinn als im Auto. Die Motoren laufen stets Volllast und verbrauchen große Mengen, was die Logistik vereinfacht." Allerdings koste der Treibstoff inzwischen mehr, als mit dem Wärme- und Stromverkauf zu verdienen sei, sagt Gruber. Biodiesel aus Speiseölresten räumt Gruber dennoch gute Chancen ein: "Um die EU-Ziele zu erreichen, brauchen wir jede Quelle." Bleibt die Frage: Riecht ein Frittenfett-Motor nach Imbissbude? Nicht mehr, sagt Gruber: "Je vollständiger die Verbrennung, desto neutraler der Geruch."
  • Aus der FTD vom 30.01.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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