Bevor auch nur eine Steckdose installiert werden konnte, mussten Anwälte erst einmal Verträge ausarbeiten mit seitenlangen Sicherheitshinweisen - aus Schutz vor Schmerzensgeldklagen, falls ein Student einen Stromschlag bekommt. "Der amerikanische Markt ist schwierig", sagt Gerald Schex, Vertriebsleiter beim Kerpener Anbieter für Ausbildungstechnologie Lucas-Nülle.
Seit 30 Jahren entwickelt, baut und vertreibt die Firma Trainingssysteme sowie Lehr- und Messgeräte für Elektrotechnik. Sie stattet Labore und Ausbildungszentren weltweit mit Arbeitsplätzen aus und schult Lehrer. "Wenn in einem Land in Bildung investiert wird, sind wir da", sagt Geschäftsführer Volker Hagmann. In über 50 Ländern weltweit ist die Firma aktiv, 85 Prozent des Umsatzes werden im Export gemacht. Nur auf dem amerikanischen Markt konnte Lucas-Nülle lange Zeit nicht Fuß fassen. "Die Hürden sind groß", sagt Schex: Die Stromnetze haben eine andere Spannung, die US-Konkurrenz ist groß und die rechtliche Situation unklar.
Über einen deutschstämmigen Vertriebspartner gelang schließlich der Kontakt zum Illinois Institute of Technology in Chicago. Lucas-Nülle richteten 2006 in der technischen Hochschule zwei Labore mit Hightech-Systemen aus, an denen Ingenieurstudenten experimentieren können. "Unsere Labore zählen jetzt zu den besten Einrichtungen in den USA", sagt der Leiter der Grainger Laboratories, Ali Emadi. Für Schex war der Auftrag der Türöffner zum US-Markt. "Danach ging es bergauf", sagt er. Mittlerweile hat die Firma dort über 30 Kunden. Nur: "Reich werden wir damit nicht", sagt Schex, die USA machen nicht einmal drei Prozent am Gesamtumsatz von gut 22 Mio. Euro aus. Schex hofft jedoch, von den Bildungsinvestitionen aus dem Konjunkturprogramm zu profitieren. "Seit Obama ist die Stimmung viel besser."