Klaus Fricke hat lange in Rio de Janeiro gelebt. Doch wie er Brasilianer für ein Studium begeistern soll, weiß der Professor für Bauingenieurwesen an der TU Braunschweig trotzdem nicht. Als er vor zwei Jahren für einen von ihm entwickelten Master in "Stadt- und Umweltingenieurwesen" Studenten suchte, meldeten sich lediglich drei Interessenten.
Fricke hatte schlicht den falschen Zeitpunkt gewählt - das Ende der Semesterferien. Mittlerweile wirbt die PontifÃcia Universidade Católica, die den Umwelt-Master anbietet, auf Bussen, in Zeitungen und über den eigenen Fernsehkanal für den Studiengang.
Über fehlende Resonanz kann sich Fricke seitdem nicht mehr beklagen. Etwa 60 Brasilianer sind derzeit in dem von der TU Braunschweig entwickelten Studiengang eingeschrieben. Die meisten von ihnen sind berufstätig. Deshalb finden die Seminare erst spät abends statt.
"Manche Studenten brauchen im Verkehrsmoloch Rio zwei Stunden, um zur Uni zu kommen", sagt Fricke. Keine einfachen Umstände, doch die Studierenden sind engagiert. Schließlich kostet das Studium umgerechnet auch bis zu 400 Euro pro Monat.
Den Großteil der Kosten übernehmen die Arbeitgeber der Studenten. Noch reichen die Studiengebühren aber nicht, um den Master komplett zu finanzieren. Deshalb fördert der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) die Kooperation bis Ende des Jahres mit 500.000 Euro.
"Danach soll sich der Studiengang selbst tragen", sagt Fricke. Er setzt alles daran, die Studentenzahlen weiter zu steigern. Die richtige Werbestrategie hat er mittlerweile gefunden.