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Merken   Drucken   12.12.2007, 01:15 Schriftgröße: AAA

Bildungsexport: Partnersuche in Peking

In China wächst der Bedarf an qualifizierten Fachkräften. Auch wenn es schwer ist, dort Geschäfte zu machen - deutsche Unternehmen wollen an dem Bildungsboom teilhaben und drängen auf den Markt.
von Marion Schmidt (Peking)

Herr Guoli will heute Bildung kaufen. Der Schulrektor hat am Morgen einen schwarzen Anzug angezogen und früh den Zug von Tangshan nach Peking genommen. Dort trifft er Markus Kamann von der Gesellschaft für Projektierungs- und Dienstleistungsmanagement, kurz GPDM, aus Paderborn.

Speed-Dating: Deutsche und chinesische Bildungsanbieter treffen im ...   Speed-Dating: Deutsche und chinesische Bildungsanbieter treffen im 30-Minuten-Takt aufeinander

Kamann will Bildung verkaufen. Er legt einen dicken Leitz-Ordner auf den Tisch und zeigt Bilder einer German Energy School, die möchte er gern betreiben. "Wir bringen deutsche Unternehmen mit und Technik", sagt er, "wir brauchen ein Haus, in das die Technik passt, und Schüler, die in Umwelttechnik ausgebildet werden wollen." Herr Guoli nickt, seine Schule wird nächstes Jahr gebaut, 3600 Schüler sollen dort einmal lernen. "Deutschland ist sehr fortschrittlich in der beruflichen Bildung - das wollen wir übernehmen."

Die beiden treffen sich bei der deutsch-chinesischen Kooperationsbörse, die von der Initiative Imove des Bundesbildungsministeriums (BMBF) in Peking organisiert wird. Imove versucht, deutsche Aus- und Weiterbildung international zu vermarkten. Herr Guoli und Herr Kamann haben 30 Minuten Zeit, sich kennenzulernen und ein Geschäft einzufädeln, dann kommt der nächste Gesprächspartner. Das ist wie beim Speed Dating, nur sucht man hier nicht den Partner fürs Leben, sondern fürs Geschäft.

Bildungsexprote setzen 60 Mrd. $ um

Um sie herum im Konferenzraum wispern Dutzende von Deutschen, Chinesen und Dolmetschern, auf weiß gedeckten Tischen stehen Laptops, liegen Broschüren, Ordner, Visitenkarten. Es wird übersetzt, überzeugt, versprochen und verhandelt. Am Rande steht Bildungsstaatssekretär Andreas Storm. Er glaubt, dass der globale Bildungsmarkt ein "gewaltiges Potenzial" hat. Deutsche Anbieter hätten "beste Chancen", dabei mitzuspielen: "Bei der beruflichen Bildung sind wir spitze." Bildung made in Germany soll zu einem "Exportschlager werden" - wie Autos und Maschinen. Die Zeit drängt: "Wenn wir noch zehn Jahre warten", ist Storm überzeugt, "sind die Claims abgesteckt."

Bildungsexport ist mittlerweile eine Wachstumsbranche, weltweit werden damit schätzungsweise 60 Mrd. $umgesetzt. Daran wollen auch deutsche Anbieter von Aus- und Weiterbildung teilhaben. Peter Gödde von der Stiftung Bildung und Handwerk in Paderborn sagt: "Bildung ist auch Business. Das wird in Deutschland noch nicht so verstanden. Wohl aber im Ausland." Der Markt für Weiterbildung in Deutschland stagniert; wer wachsen will, muss ins Ausland.

Das Potenzial dafür sehen er und die anderen Bildungsunternehmer, die zu Gesprächen nach Peking gereist sind, vor allem in Asien. In den asiatischen Schwellenländern gibt es viele junge Leute, die zu schlecht qualifiziert sind, um das enorme Wirtschaftswachstum auf Dauer halten zu können. Dabei hat Bildung "einen hohen Stellenwert in der chinesischen Gesellschaft", sagt Werner Lauck, Leiter der Wirtschaftsabteilung in der Deutschen Botschaft Peking. Allerdings gilt eine berufliche Ausbildung als minderwertig, die meisten Eltern wollen, dass ihr oftmals einziges Kind studiert. Eine akademische Ausbildung schützt aber keineswegs vor Arbeitslosigkeit - im Gegenteil: In China finden etwa 30 Prozent der Uniabsolventen innerhalb eines Jahres keinen Job; aber nur rund zehn Prozent derjenigen, die eine Berufshochschule abgeschlossen haben.

36 Millionen Facharbeiter brauchen eine Ausbildung

Die Regierung versucht daher, bildungspolitisch umzusteuern und den Wert der Berufsbildung zu stärken. Zhang Bin, im Arbeitsministerium für berufliche Bildung verantwortlich, verspricht Zuschüsse für Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter weiterbilden. Von dieser Förderung können auch deutsche Anbieter profitieren. Insgesamt werde die Regierung bis 2010 1,7 Mrd. $ in die Qualifizierung der Bevölkerung investieren, damit sollen rund 100 Berufsschulen gegründet und 36 Millionen Facharbeiter ausgebildet werden.

Das bisherige System ist auf eine solche Bildungsoffensive schlecht vorbereitet. "Das Schulsystem hat viele Schwächen", sagt Jutta Ludwig, Geschäftsführerin der deutschen Außenhandelskammer (AHK) Peking, es wird viel auswendig gelernt und wenig praxisbezogen gearbeitet. "Selbst die Lehrer, die an den beruflichen Mittelschulen Praxis lehren sollen, haben oft selbst nie praktisch gearbeitet", sagt Ludwig.

Es gibt in asiatischen Ländern kein geregeltes Berufsbildungssystem. Deutsche Unternehmer in der Region klagen, Mitarbeiter müssen komplett neu geschult werden, wenn sie in den Betrieb kommen. Große Konzerne wie Siemens lösen das Problem, indem sie eigene Trainingscenter gründen, mittelständische Unternehmen hingegen sind auf Unterstützung von außen angewiesen. Sie arbeiten daher oft mit örtlichen Berufsschulen zusammen oder engagieren Trainer für die berufliche Aus- und Weiterbildung.

Deutsche Unternehmen wollen deutsche Bildungsqualität

Markus Kamann ist mit seiner Firma GPDM seit 2005 in China aktiv. In Yianan, etwa 300 Kilometer südöstlich von Peking, kooperiert er mit einer Berufsschule. "Wir organisieren dort für etwa 130 Schüler eine Ausbildung im Bereich Maschinenbau", erzählt er. Etwa 70 deutsche Unternehmen in der Region wollen Leute, die fit sind für den Einsatz im Betrieb, und das nach deutschen Qualitätsstandards. Umgerechnet 800 Euro Schulgeld müssen die Lehrlinge jährlich zahlen. Das reicht für Kamann nicht, um seine Kosten zu decken, "dazu bräuchten wir mindestens 200 Schüler".

Aber es läuft gut in China, deshalb will er jetzt seine German Energy School vorantreiben. Herr Guoli könnte sein Partner werden. Der will ein Niedrigenergiehaus bauen in Tangshan und dort "eine qualitativ gute Ausbildung" anbieten. Kamann will wissen, ob er Kontakte zur Provinzregierung hat, "wir brauchen Stempel". Herr Guoli nickt und will noch schnell ein gemeinsames Foto machen. Die 30 Minuten sind vorbei.

Teil 2: Warum viele Bildungsexporte scheitern

  • FTD.de, 12.12.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland
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