Die intelligente Musikbox kennt den Geschmack ihres Besitzers
Sie kennt den Geschmack ihres Besitzers und macht - passend zur Stimmung - Musikvorschläge. Entwickelt wird diese intelligente Musikbox derzeit am Fraunhofer Institut für Digitale Medientechnologie IDMT in Ilmenau. Einen zentralen Baustein stellen die Forscher bereits jetzt auf der Internationalen Funkausstellung (Ifa) vor, die in Berlin stattfindet.
Für ihre Vorschläge bedient sich die Anlage aus dem eigenen Archiv der Festplatte und aus Datenbanken im Internet. Um ihren Nutzer in Sachen Liedgut beraten zu können, muss die Software die Musik zunächst erfassen und anhand charakteristischer Merkmale einordnen. Als Grundlage dienen ihr dabei die gleichen Kriterien, die dem menschlichen Gehirn ein musikalisches Schubladendenken ermöglichen: Das System analysiert Stücke automatisch auf Hauptmelodie und Melodiebogen, Harmonien, Tempo, Rhythmus und Lautstärke. Zusätzlich untersucht es die Struktur des Liedes, also die Häufigkeit und Anordnung markanter Passagen. Sogar einzelne Instrumente kann es heraushören und ihren Anteil in Notenform abspeichern.
Zu jedem Song erstellt das Programm eine Art grafisches Muster und vergleicht es mit den bereits gespeicherten Beständen. "Die Software wurde ursprünglich entwickelt, um Charakteristika in Fotos zu erkennen und zu kategorisieren", sagt Holger Grossmann von der Arbeitsgruppe Semantische Metadaten am IDMT. "Vom Ablauf ist das ziemlich ähnlich."
Verbindung mit dem Internet
Die so gewonnenen Informationen speichert die digitale Musikberaterin dann in der Datenbank und besorgt sich zusätzlich Angaben wie Interpreten und Titel aus dem Internet.
Ist das Archiv erst einmal gefüttert, greift sie bei ihrer Suche darauf zurück. So findet die Software zum Beispiel alle Lieder mit einem Gitarrensolo zwischen zwei und fünf Minuten in der Kategorie "Rock". Gefällt dem Hörer ein Song, ermittelt die Anlage alle ähnlich klingenden Stücke. Selbst Musikliebhabern mit schlechtem Gedächtnis wird geholfen: Das Gerät soll auch Lieder erkennen, die man ihm vorsummt. Als Partyspaß wäre das vielleicht ganz lustig. Marktfähig ist die intelligente Stereoanlage aber noch nicht, da werden laut Grossmann noch Jahre vergehen.