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Merken   Drucken   11.02.2008, 10:00 Schriftgröße: AAA

Das Zeichen des Tumors

In der Werbung sieht alles so einfach aus: Eine Impfung schützt Frauen vor den humanen Papillomaviren (HPV), die für die meisten Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind. Seit aber zwei junge Mädchen nach einer HPV-Impfung aus bislang ungeklärten Gründen gestorben sind, steht die Sicherheit der erst 2006 und 2007 zugelassenen Wirkstoffe zur Debatte. von Kristina Patschull
Auch ihr Nutzen wird von Kritikern angezweifelt, denn sie schützen nur gegen 70 Prozent der Virenstämme. "Man braucht trotzdem noch die Krebsvorsorge, allerdings auf einem möglichst hohen Qualitätsstandard", sagt Friedrich Hofmann, der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut. Denn ein rechtzeitig erkannter Krebs ist meistens heilbar.
Ein neuer Test zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs kommt da gerade recht. Er spürt Tumoren und deren Vorstufen mit hoher Sicherheit auf, unabhängig davon, welcher HPV-Stamm sie verursacht hat. Bisher wird bei den Vorsorguntersuchungen der Pap-Test eingesetzt: Ein Abstrich von der Schleimhaut am Gebärmutterhals wird eingefärbt und im Mikroskop auf entartete Zellen untersucht. Das Verfahren ist fehleranfällig, etwa die Hälfte der Krebsfälle bleiben unentdeckt. Der neue Test namens Cervatec habe dagegen in einer klinischen Studie mit 7500 Frauen eine Trefferquote von 90 Prozent geliefert, sagt der Hersteller, das Heidelberger Unternehmen MTM Laboratories, eine Ausgründung des dortigen Krebsforschungszentrums. In Kombination mit dem Pap-Test seien 97 Prozent erreicht worden. Bei dem neuen Verfahren wird der Abstrich auf die Häufigkeit des körpereigenen Proteins P16 untersucht. Das Eiweiß wird in Krebszellen und ihren Vorstufen in sehr viel größeren Mengen gebildet als in gesunden Zellen. Das automatische Verfahren sei objektiver als die manuelle Mikroskop-Untersuchung , sagt MTM-Geschäftsführer Peter Pack.
"Dieser Test ist sicher eine gute Sache", sagt Michael Klentze von der Diagnoseklinik München. Auch Achim Schneider, Chef der Frauenklinik an der Charité Campus Mitte in Berlin, hält es für wichtig, Alternativen zum Pap-Test zu entwickeln. Er warnt aber davor, bei der Suche nur auf die Treffsicherheit zu achten. So gibt es zwar einen Test, der mit 98-prozentiger Sicherheit HPV-Infektionen nachweist. Da aber sexuell aktive Frauen sehr häufig HPV-infiziert sind, ohne an Krebs zu erkranken, würden positive Ergebnisse sie unnötig verunsichern. Der Test wird daher nur Frauen empfohlen, die älter als 35 sind.
MTM testete sein neues Verfahren zunächst nur an Frauen unter 36 . "Schon allein wegen der Studienkosten ist es sinnvoller, dort zu beginnen, wo wir einen echten Vorteil bieten", sagt Pack. Wann auch ältere Frauen von Cervatec profitieren werden, lässt er offen. "Wir werden uns zunächst auf das Marktsegment bis 35 konzentrieren." Weltweit werden jährlich mehr als 14 Millionen Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt. In Deutschland sind etwa 40 Prozent der teilnehmenden Frauen jünger als 36, schätzt Pack.
  • Aus der FTD vom 11.02.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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