Selten zeigt sich so offensichtlich, was ein Patent wert ist. Am 9. August 2000 entschied ein amerikanisches Gericht überraschend, dass der Pharmahersteller Eli Lilly das Patent über das Antidepressivum Prozac verliert - zwei Jahre vor dem geplanten Auslaufen. Innerhalb eines Tages sackte der Aktienkurs um ganze 31 Prozent ab. Der Verlust des Patents vernichtete einen Marktwert in Höhe von 36,8 Mrd. Dollar.
Nicht immer geht es um Milliarden, aber oft um dreistellige Millionenbeträge. Der Marktwert der im S&P 500 erfassten US-Unternehmen besteht inzwischen zu drei Vierteln aus immateriellem Vermögen. Umsatz und Gewinn fast aller großen Firmen hängen entscheidend von ihren Patenten und Markenrechten ab. Allein in Deutschland gibt es mittlerweile 467.000 Patente. Umso mehr überrascht, dass die Berechnung von Patentwerten noch immer in den Kinderschuhen steckt.
Die Folgen wiegen schwer: "Durch zu wenig Kommunikation über ihr immaterielles Kapital wird die Leistungsfähigkeit vieler Unternehmen zwangsläufig unter- oder überschätzt", sagt Jan Hofmann von DB Research. "Das führt zu Fehlallokationen, also letztlich zu verschenktem Wachstum."
Ein Dokument namens PAS 1070 soll dies verhindern. Eine PAS ist eine "öffentlich verfügbare Spezifikation", eine Art Normentwurf, der eines Tages bei Beteiligung aller interessierten Kreise in eine Norm münden könnte. Die PAS 1070 wurde Ende 2006 von einer kleinen Gruppe von Unternehmensvertretern, Anwälten, Wirtschaftsprüfern und Wissenschaftlern formuliert.
Ähnlich wie bei der Unternehmensbewertung müssen dabei Szenarien über die Entwicklung von Märkten und Technologien aufgestellt werden, die deutlich voneinander abweichen können. Wichtig ist deshalb vor allem, dass die Analyse nachvollziehbar und transparent ist. Damit orientiert sich die Patentbewertung an den Standards, die bei Sachverständigen schon lange gelten.
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