Die umstrittene Technik Fracking soll in Deutschland nur unter strengen Auflagen erlaubt werden. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten zu der Edgasförderungstechnologie, das vom Umweltbundesamt (UBA) für Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) erstellt worden ist.
"Auf Basis dieses Gutachtens empfiehlt das Umweltbundesamt, derzeit von einem großtechnischen Einsatz abzusehen", sagte UBA-Präsident Jochen Flasbarth. Das mit Chemikalieneinsatz erschließbare Potenzial ist hoch: 13 Jahre lang könnte Deutschland damit laut UBA seinen gesamten Gasbedarf decken.
Mehr zu: Energiewende, Fracking, Gasförderung, Peter Altmaier
Beim Fracking werden mit hohem Druck mit einem Chemikalien-Wasser-Gemisch Gesteinsschichten aufgebrochen, damit das Gas entweichen kann. In den USA sind die Energiepreise durch die massive Erschließung von Schiefergasvorkommen gesunken - allerdings gibt es Berichte über ökologische Schäden. Bei dem Hydraulic Fracturing wird Gestein in 1000 bis 5000 Metern Tiefe mit hohem hydraulischen Druck aufgebrochen. Um das Gas fördern zu können, werden künstliche Fließwege geschaffen. Dazu wird ein flüssiges Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst, so dass Risse im Gestein enstehen. Durch sie entweicht das Gas und gelangt schließlich an die Oberfläche.
In Deutschland wittert unter anderem der Konzern ExxonMobil ein großes Geschäft. Altmaier forderte eine breite öffentliche Diskussion über die Ergebnisse des Gutachtens. Auch er zeigte sich skeptisch, was einen umfassenden Einsatz der Technologie in Deutschland betrifft.
Wegen großer Bedenken haben sich besonders in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen Bürgerinitiativen gegen Fracking gebildet. So wird unter anderem eine Verseuchung des Trinkwassers mit giftigen Chemikalien befürchtet. Auch Hessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt oder Baden-Württemberg könnten als Fördergebiete in Frage kommen.
"Man kann aus dem Gutachten den Schluss ziehen, dass man in Trinkwassergebieten Fracking nicht zulassen sollte", sagte Altmaier. 14 Prozent der Landesfläche sind in Deutschland laut UBA als Trinkwasserschutzgebiete ausgewiesen. Flasbarth forderte einen Fracking-Ausschluss für diese Gebiete. Zudem müsse es bei jeder Bohrung eine verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung geben.
Im Dezember soll ein Expertenforum offene Fragen klären, bevor eine bundesweite gesetzliche Regelung im Bundestag auf den Weg gebracht werden soll. "Für mich geht Gründlichkeit vor Eile", sagte Altmaier.
SPD und Grüne warfen der Regierung vor, eine bundesweite Regelung zu verschleppen. Im Mai hatten Union und FDP Anträge beider Parteien für strenge Auflagen beim Fracking abgelehnt. Die Linke fordert ein komplettes Verbot. Bayerns Umweltminister Marcel Huber (CSU) sagte: "Das Gutachten bestätigt die Bedenken Bayerns gegen diese riskante Technik. Es besteht eine hohe Unsicherheit, ob man die giftigen Substanzen punktgenau einbringen kann." Gefährdungen der Umwelt und besonders des Trinkwassers müssten sicher ausgeschlossen werden.
Der Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes, Leif Miller, sagte: "Der Goldgräberstimmung zur Ausbeutung fossiler Energien in Deutschland muss mit einem Fördermoratorium einhalt geboten werden". Auch der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) zeigte sich skeptisch. Neben den natürlichen Bohrrisiken müssten insbesondere der Einsatz und Verbleib von Chemikalien genauestens geklärt werden.