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  FTD-Serie: 101 Köpfe der deutschen Forschung

Wer steckt hinter wegweisenden Entwicklungen und Techniken der Zukunft? Wer bringt den Forschungsstandort Deutschland maßgeblich voran? Wir stellen die führenden Akteure in Wissenschaft und Forschung vor.

Merken   Drucken   23.03.2005, 18:25 Schriftgröße: AAA

Eva Eisenbarth: Virtuoser Spagat zwischen den Disziplinen

Eva Eisenbarth forscht in Hamburg-Harburg an einer Alternative zum künstlichen Gelenk. Dafür züchtet die Biologin belastbaren Knorpel. von Maren Herbst
Eva Eisenbarth   Eva Eisenbarth
"Die Zukunft liegt in der regenerativen Medizin." Da ist sich Eva Eisenbarth ganz sicher. Mit körpereigenem Knorpel will sie Patienten künstliche Gelenke ersparen. Dafür betreibt die 40-jährige Biologin Grundlagenforschung auf dem Gebiet des Tissue Engineering, der Gewebe-Züchtung.
"Ich brauche den direkten Anwendungsbezug für die Arbeit im Labor - das ist mir ganz wichtig." So ein Satz passt zu ihr. Abgehobenheit oder akademischer Dünkel liegen ihr fern. Sie steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Realität. Bereitwillig und sehr lebendig spricht die Juniorprofessorin über ihre Arbeit: "Wir wollen belastbaren Knorpel produzieren, wie er im Knie vorkommt." Dafür untersucht Eva Eisenbarth, unter welchen Bedingungen Knorpelzellen künstliches Gewebe produzieren, welche Eigenschaften dieses hat und was es vom natürlichen Knorpel unterscheidet.
Forscherin und Dolmetscherin
Anders als bei herkömmlichen Transplantationen sollen dem Patienten nicht bloß vermehrte Knorpelzellen eingespritzt werden. Er erhält stattdessen einen im Labor gezüchteten, fertigen Knorpel, der von Anfang an belastbar ist. Ein Verfahren, an dem weltweit nur drei Forschergruppen arbeiten: eine in Deutschland, eine in Japan und eine in den USA.
Körpereigener Knorpel eignet sich derzeit nur zum Beheben kleiner Schäden. "Für größere Defekte entwickeln wir als Trägermaterial eine Keramik, die sich optimal mit dem Knochen verbindet, und setzen den selbst gezüchteten Knorpel oben drauf", sagt Eisenbarth.
Seit vergangenem Herbst forscht die Saarländerin am Zentrum für Biomechanik an der TU Hamburg-Harburg. Eisenbarth koordiniert die Arbeit von Werkstoffwissenschaftlern, Biomechanikern, Zellbiologen und Biotechnologen. "Die Arbeit mit Biomaterialien muss interdisziplinär sein", sagt Eisenbarth. Weil aber Mediziner, Biologen, Physiker und Ingenieure verschiedene Sprachen sprechen, übernimmt die Forscherin die Rolle der Dolmetscherin.
Spagat zwischen Biologie und Werkstoffwissenschaften
"Sie ist einfach hervorragend darin, die Verbindung zischen den Biologen und Ingenieuren herzustellen", sagt Michael Morlock, Professor für Biomechanik an der TU Harburg. Sein Institut hat die Biologin für die neu geschaffene Stelle eingekauft, weil sie außer Fachkompetenz viel Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Maschinenbauingenieuren mitbringt.
"Sie hat den Spagat zwischen Biologie und Werkstoffwissenschaften geschafft. Das ist in meinen Augen einzigartig", sagt Jürgen Breme, Professor für Metallische Werkstoffe an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Er betreute Eisenbarth bei ihrer Diplomarbeit, Promotion und Habilitation.
Einen Wermutstropfen gibt es aber bei aller Begeisterung für ihre Wissenschaft. Wegen ihrer Juniorprofessur in Hamburg kann sie ihren Mann und ihre beiden kleinen Töchter nur am Wochenende sehen. "Immer wenn ich wieder wegfahre, gibt es Tränen."
Persönliche Fragen
Ihr erster Versuch? Als 13-Jährige habe ich mit Filzstiften Kaffeefilterpapier bemalt und anschließend Alkohol draufgeträufelt. Das gab wunderschöne Farbmuster.
Wann haben Sie Ihre besten Einfälle? Im Zug, beim Spielen mit meinen Kindern oder beim Bügeln.
Mit welcher Technik stehen Sie auf Kriegsfuß? Mit Elektrotechnik.
  • FTD, 23.03.2005
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