If everything is under control you are just not driving fast enough." Dieser Satz des Rennfahrers Stirling Moss, den er sich im Büro an die Wand gehängt hat, verrät viel über den Präsidenten der Freien Universität (FU) Berlin. Dieter Lenzen will eine wettbewerbsorientierte Hochschule, in der sich Fachbereiche an Zielvereinbarungen messen lassen müssen und Bildung weltweit vermarktet wird. Er lässt sich nicht von seinem Weg abbringen - steht fest verwurzelt auf dem Podium, wenn Studenten skandieren "Elite stinkt".
"Unter der Bedingung von Finanzknappheit muss man eine Uni wie ein Unternehmen führen", sagt Lenzen. Eine Aussage, die nicht allen gefällt. Linke Studenten haben ironische Dieter-Lenzen-Fan-Seiten ins Internet gestellt, auch einige Professoren schimpfen darüber, dass ihr Präsident "von oben durchregiert". Lenzen ist jedoch kaum eine Gefühlsregung anzumerken, wenn man ihn mit solchen Vorwürfen konfrontiert. Er lächelt und sagt: "Wenn man radikal umbaut, hat man auch Gegner. Aber mit jedem Erfolg wächst die Zustimmung."
Die Widerstände sind seit seinem Antritt vor fünf Jahren tatsächlich geschrumpft. Vergangenes Jahr wurde Lenzen mit 80 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt - für universitäre Verhältnisse ein sehr gutes Ergebnis, für die FU: sensationell.
Jahrelang war die Uni durch Grabenkämpfe zwischen Linken und Konservativen gelähmt. Lenzen hat die Fakultäten wieder zu einer Einheit zusammengeführt, die nach außen sichtbar ist. Er hat Forschungsbereiche in Clustern organisiert, noch bevor die Exzellenzinitiative fächerübergreifende Verbünde zur akademischen Mode machte. Seine Uni soll auch Geld verdienen, zum Beispiel mit Weiterbildung. Immerhin 3 Mio. Euro waren es 2007.
In seinen Anzügen und stets polierten Schuhen wirkt der Erziehungswissenschaftler Lenzen eher wie ein Betriebswirt. Mit 28 Jahren war er einmal der jüngste Professor Deutschlands und wollte das Schulsystem radikal umbauen. Heute will er ebenso radikal Grenzen zwischen Wirtschaft und Hochschule einreißen, am Campus Dahlem entsteht ein Kongresszentrum in Public-Private Partnership. Die Summe der Drittmittel ist in seiner Amtszeit von 35 Mio. Euro auf 158 Mio. Euro pro Jahr gestiegen.
Durch die Auszeichnung als eine von neun Eliteunis erhält die FU zudem fast 107 Mio. Euro von Bund und Ländern. Damit will Lenzen eine "internationale Netzwerkuniversität" bauen. Ein Semester oder Praktikum im Ausland soll für alle Bachelorstudenten Teil des Curriculums werden. In New York, Peking und Delhi werben Außenbüros um Nachwuchsforscher. Die Uni der Zukunft müsse global denken, sagt Lenzen. Genau wie ein Unternehmen.