Die Rettung für Millionen schwerkranker Menschen könnte aus Wien kommen. Denn dort hat eine Forschungsgruppe die Wirkungsweise des Moleküls DegP untersucht. Sie arbeitet am Institut für Molekulare Pathologie (IMP), das zum deutschen Pharmakonzern Boehringer Ingelheim gehört.
Die Untersuchung ist die Grundlage für die Entwicklung neuer Antibiotika. DegP repariert in den Zellen vieler Lebewesen schadhafte Proteine. Wird dieser Mechanismus beispielsweise in den Zellen eines Bakteriums unterbunden, ist dieses den Immunreaktionen seines Wirtes schutzlos ausgeliefert.
"Weil DegP darüber hinaus auch an der Beseitigung von Eiweißen beteiligt ist, könnten sich mit synthetischem DegP eines Tages vielleicht sogar Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson heilen lassen, die dadurch entstehen, dass defekte Proteine nicht rechtzeitig entsorgt werden", erklärt der Leiter der Forschungsgruppe am IMP Tim Clausen.
Für derartige Forschungsarbeiten gibt Boehringer Ingelheim jedes Jahr 16,2 Prozent seines österreichischen Umsatzes aus. Insgesamt investierten österreichische Unternehmen nach Angaben von Statistik Austria im vergangenen Jahr 4,8 Mrd. Euro in Forschung und Entwicklung (FuE).
Damit kamen fast zwei Drittel der Forschungsausgaben aus der privaten Wirtschaft. Weitere 2,59 Mrd. Euro steuerte die öffentliche Hand bei. Insgesamt bringt es Österreich damit heute auf eine Forschungsquote von 2,63 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) - weit mehr als der Durchschnitt der Europäischen Gemeinschaft sowie der OECD-Staaten.
Noch vor zehn Jahren hätte niemand für möglich gehalten, dass sich das Land so schnell in die Spitzenliga der internationalen Forschungsstandorte vorarbeitet. Die Forschungsquote lag 1997 bei bescheidenen 1,7 Prozent des BIP.
"Seitdem sind jedoch vor allem die FuE-Ausgaben der Unternehmen rasant gestiegen", sagt der Chefvolkswirt der österreichischen Industriellen Vereinigung (IV) Christian Helmenstein. "Die Betriebe geben heute 50 Prozent mehr für FuE aus als 2001." Ein Indiz, dass die letzten zwei Bundesregierungen mit ihrer Standort- und Forschungspolitik Erfolg hatten.
Entscheidender Baustein dieser Politik war die Senkung der Körperschaftsteuer und die Einführung der steuerlichen Forschungsförderung unter der Ende September abgewählten Koalition der konservativen Österreichischen Volkspartei (ÖVP) mit der sozialdemokratischen SPÖ.
"Wir haben uns 2004 entschlossen, den Betrag, den wir zur Verfügung hatten, ohne den Haushalt übermäßig zu belasten, gezielt in die Senkung einer Steuerart zu investieren", erklärt der damalige Finanzminister und Vizekanzler Wilhelm Molterer. So hat die Koalition die Körperschaftsteuer 2005 auf 25 Prozent reduziert. Gleichzeitig führte sie einen Forschungsfreibetrag von 25 Prozent ein.
Für Unternehmen, die ihre FuE-Ausgaben alljährlich steigern, liegt der Betrag sogar bei 35 Prozent. Betriebe können in Österreich somit mindestens 125 Prozent ihrer Aufwendungen für Forschung und Entwicklung von ihrem zu versteuernden Gewinn abziehen. Machen sie keine Profite, haben sie Anspruch auf eine Forschungsprämie in Höhe von acht Prozent ihrer FuE-Ausgaben.
Teil 2: Förderung aus einer Hand