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  FTD-Serie: 101 Köpfe der deutschen Forschung

Wer steckt hinter wegweisenden Entwicklungen und Techniken der Zukunft? Wer bringt den Forschungsstandort Deutschland maßgeblich voran? Wir stellen die führenden Akteure in Wissenschaft und Forschung vor.

Merken   Drucken   20.02.2005, 18:31 Schriftgröße: AAA

Frank Kirchner: Krabbeln mit Köpfchen

Der Bremer Informatiker Frank Kirchner entwickelt kletternde Roboter - und orientiert sich dabei konsequent am Vorbild der Natur. In der Roboterentwicklung kann sich Deutschland mittlerweile mit den USA messen. von Christian Herbst
Frank Kirchner   Frank Kirchner
"Wie entsteht Intelligenz? Was ist Intelligenz? Wie können wir Intelligenz nachbilden?" Frank Kirchner stellt gern solche Fragen. Roboter haben für ihn nicht nur etwas mit Technik, sondern auch sehr viel mit Philosophie zu tun. Eigentlich, so sagt der Informatik-Professor, denkt er immer über sein Fachgebiet nach. "Sieben Tage, 24 Stunden." Könnte sein, dass der Mann nicht übertreibt, dem etwas müden Blick nach zu urteilen.
Trotzdem ist Frank Kirchner sehr präsent. Erzählt gern, was seine Roboter so können. "Die müssen richtig klettern." Dort hinkommen, wo heutige Rover beim Erkunden von Planeten oder bei irdischen Rettungsmanövern aufgeben müssen. Eine achtbeinige Krabbelmaschine namens Scorpion erweist sich auf einem Hindernisparcours derzeit als verblüffend agil. Nun entwickeln Kirchner und seine Leute für die Europäische Weltraumagentur Esa den nächsten Maschinentyp: einen Roboter, der zwischen vier- und zweibeinigem Gang wechseln kann.
Auf Umwegen Roboterbauer
Wer Maschinen behände machen will, der muss sich die Natur angucken, sagt Kirchner. Deshalb schaut der jugendlich wirkende Forscher, der selbst gern klettert, mit seinen Mitarbeitern Tierfilme - und analysiert Bewegungen von Skorpionen. Die klettern gut, weil sie tasten können. Das kann die Bremer Maschine Scorpion inzwischen auch.
Der 41-Jährige ist auf Umwegen Roboterbauer geworden. Nach einem Grundstudium in Volkswirtschaft - "trockenes Zeug" - wechselte er zur Informatik. Zu diesem Fach hatte ihn die Musik inspiriert. Er spielte Klavier, Gitarre und sang. Stilrichtung Blues und Rock. Und er spielte Synthesizer, "mein Einstieg in die Computertechnik". Die Band von damals gibt es nicht mehr. Heute spielt der Professor auf der klassischen Gitarre Bach und Telemann.
Wenn ihm noch Zeit bleibt. "Ich nehme mir manchmal zu viel vor", gibt er zu. Was viel Zeit raubt, ist das Schreiben von Anträgen. Diese Kunst hat er in den USA verfeinert. Dort ist es selbstverständlich, dass ein Uniprofessor für einen Teil seines Geldes selber sorgt. Kirchner hat damit kein Problem. Opfert schon mal einen Sommerurlaub, um Geld nach Bremen zu holen.
Deutschland kann sich mit der USA in der Robotertechnik messen
Oft hat es sich schon gelohnt. Zu seinen Förderern gehören die Esa, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Seinen Mitarbeiter Dirk Spenneberg beeindruckt die Energie, mit der sein Chef vorgeht: "Ich finde seine Tatkraft sehr beeindruckend. Er bringt die Dinge wirklich ins Rollen, kann die Leute gut überzeugen."
Frank Kirchner sagt, dass sich Deutschland bei der Entwicklung von Robotern mit den USA messen kann. Er weiß, wovon er spricht: Vier Jahre war er an der Northeastern University in Boston, ging damals auch im Massachusetts Institute of Technology (MIT) ein und aus, der wohl renommiertesten Roboterschmiede der Welt.
Kirchner wollte dennoch zurück. Das war auch eine Gefühlsentscheidung. Dort leben, wo er sich am wohlsten fühlt, kulturell und vom Lebensgefühl her. Bremen passte: C4-Professur mit passabler Ausstattung, Uni und Stadt vermittelten ihm zudem, dass sie seine Arbeit fördern würden. Hinzu kam, dass seine Frau, eine Hirnforscherin, die schon mit ihm in den USA war, in Bremen nun darauf hoffen kann, fachlich wieder voll einzusteigen - wenn die beiden kleinen Kinder mitspielen. Gern würde Kirchner dann auch mit seiner Frau forschen und so Privatleben und Beruf zusammenbringen.

Persönliche Fragen
Was war Ihr erster Versuch?
Ich habe versucht, den Bach im elterlichen Garten zu stauen.
Mit welcher Technik stehen Sie auf Kriegsfuß?
Mit Handys, wegen des Zwangs, stets erreichbar sein zu müssen.
Was wünschen Sie sich von Frau Bulmahn?
Ich finde alle ihre Ideen gut. Sie muss nur noch umsetzen, was sie sich vorgenommen hat.
  • FTD, 20.02.2005
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