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Merken   Drucken   17.05.2009, 12:00 Schriftgröße: AAA

Gentechnik: Monsanto - ein Konzern verändert die Welt

Passend zur derzeitigen Debatte um genveränderte Pflanzen ist das Buch "Mit Gift und Genen" erschienen. Ein spannender Wirtschaftskrimi, der zeigt, wie mächtig der Monsanto-Konzern bereits ist.
von Lea Wolz

Die Genkartoffel Amflora darf in Deutschland angebaut werden, der Bt-Mais MON 810 dagegen nicht.

Rund einen Monat nach dem Anbauverbot von Genmais haben Wissenschaft und Landwirtschaft vor einem Ende der Gentechnik-Forschung in Deutschland gewarnt. Die Forschung in der "grünen Gentechnik" sei unverzichtbar, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Gentechnik-Debatte und Wahlkampf

Die Forschungsfreiheit dürfe keinem Wahlkampf zum Opfer fallen, sagte DFG-Präsident Matthias Kleiner. Er sorgt sich nach dem Genmais-Verbot um den Forschungsstandort Deutschland. "Es besteht die Gefahr, dass damit in Deutschland eine wichtige Forschungsrichtung verloren geht", sagte er. Freilandversuche würden immer stärker durch Zerstörungen beeinträchtigt.

Passend zu der seit einigen Monaten schwelenden Debatte um genveränderte Pflanzen ist das Buch der französischen Journalistin Marie-Monique Robin "Mit Gift und Genen" erschienen. Ein spannender Wirtschaftskrimi, der allerdings nicht zu einer vorurteilsfreien Debatte über die Grüne Gentechnik beiträgt. Das Buch beruht auf den Recherchen für den gleichnamigen Film, den der Sender Arte vor einem Jahr ausstrahlte, ist jedoch um ein paar Details erweitert.

Drei Jahre hat die Tochter französischer Bauern sich mit Monsanto  beschäftigt, weltweit mit Landwirten, Wissenschaftlern, Behörden und Politikern gesprochen, wissenschaftliche Studien und Dokumente gesichtet und die Firmengeschichte studiert.

Patente auf Leben

Ihr Fazit: In vielen Ländern wurden gentechnisch veränderte Organismen (GVO) eingeführt, ohne fundiert eine schädliche Auswirkung auf den Menschen und die Umwelt ausgeschlossen zu haben. Schlimmer noch, kritische Stimmen bringe der Konzern zum Schweigen und sichere sich durch Lobbyarbeit Einfluss. Getrieben von Profitgier sei es das erklärte Ziel des Konzerns, die Ernährung der Welt zu kontrollieren - über eine Monopolstellung beim Saatgut.
In ihrem Buch zeichnet die Journalistin Marie-Monique Robin die ...   In ihrem Buch zeichnet die Journalistin Marie-Monique Robin die Marktmacht des Monsanto-Konzerns nach

In der Tat erschrecken die Zahlen: 90 Prozent aller weltweit angebauten Gen-Pflanzen stammen derzeit schon von Monsanto. Der Agrobiotechnologie-Agentur ISAAA zufolge, die seit 1996 die Anbautrends gentechnisch veränderter Pflanzen weltweit beobachtet, haben Landwirte 2008 in 25 Ländern auf 125 Millionen Hektar gentechnisch veränderte Nutzpflanzen wie Baumwolle, Raps und Mais angebaut.

Damit stieg der Anbau um gut zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Beim Soja-Anbau liegt der Anteil der genveränderten Pflanzen weltweit schon bei 70 Prozent. Ein mächtiger Markt also, auf dem sich Monsanto Robin zufolge zunehmend Einfluss sichert.

Teil 2: Wer ist der Biotechnologie-Konzern aus St. Louis

  • stern.de, 17.05.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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