"Die Basis allen Lebens""Die Kommunikation zwischen Molekülen ist die Basis allen Lebens und wir möchten verstehen, wie diese Unterhaltung funktioniert", sagt Gaub. Die Strukturen, von denen der Forscher spricht, sind nur ein millionstel Millimeter groß. Gaub und seine 30 Mitarbeiter, darunter Biotechnologen, theoretische Physiker, Mediziner und Chemiker, haben schon einige Geheimnisse im Reich der Winzlinge gelüftet. Sie haben unter anderem erkannt, welche Moleküle den menschlichen Muskel gegen Überdehnung schützen. Nun erforschen sie, wie Muskelfasern nach einem Muskelkater wieder heilen.
Gaub will aber nicht nur verstehen, wie die Welt der Moleküle funktioniert. Er will sie eines Tages auch nachbauen und so genannte Hybride herstellen. Das sind künstliche Moleküle, in denen sich natürliche, biologische Teile und technische Teile wie Halbleiter ergänzen. "Wenn wir das schaffen, können wir die Moleküle dazu bringen, an bestimmten Stellen im Körper zu arbeiten und Veränderungen vorzunehmen", schwärmt er. Gaub hofft, dass die künstlichen Muskelfasern in naher Zukunft molekulare Produktionsprozesse steuern und antreiben. "Damit werden neue Analyseverfahren und Arzneimittel möglich, deren Wirkung sich maßschneidern lässt", sagt er.
Wenn der kräftige Mann mit dem dunklen Vollbart erzählt, schwingt in seiner Stimme Begeisterung mit. Lebhaft gestikulierend beschreibt er die Welt der Moleküle. Dabei wirkt er für einen Professor sehr unkompliziert und locker. Mit seinem kumpelhaften Tonfall könnte Gaub, der Jeans und Turnschuhe trägt, fast als älterer Student durchgehen.