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  FTD-Serie: 101 Köpfe der deutschen Forschung

Wer steckt hinter wegweisenden Entwicklungen und Techniken der Zukunft? Wer bringt den Forschungsstandort Deutschland maßgeblich voran? Wir stellen die führenden Akteure in Wissenschaft und Forschung vor.

Merken   Drucken   22.03.2005, 18:47 Schriftgröße: AAA

Hermann Gaub: Moleküle verstehen

Der Biophysiker Hermann Gaub ist einer der renommiertesten deutschen Nanoforscher. Sein Ziel: die Welt der kleinsten Strukturen besser nutzbar machen. von Nicole Huss
Hermann Gaub   Hermann Gaub
Maschinen haben Hermann Gaub schon in seiner Kindheit fasziniert. Damals bastelte er in der Werkstatt seines Vaters in einem schwäbischen Dorf an Traktoren und Mähmaschinen herum. Seine großen, kräftigen Hände sehen so aus, als würde Gaub heute noch gern bei Reparaturarbeiten zupacken. Das stimmt im Prinzip auch: Nur mit dem Unterschied, dass die Werkstatt des Physikers jetzt im Untergeschoss der Münchner Universität steht und die Maschinen weitaus kleiner sind als die, mit denen er früher zu tun hatte.
Hermann Gaub hat sich der Nanotechnologie verschrieben und gilt als einer der renommiertesten deutschen Biophysiker. An seinem Lehrstuhl für Angewandte Physik der Universität München, den er seit zehn Jahren innehat, hat der 50-Jährige die Rasterkraftmikroskopie weiterentwickelt. Mit deren Hilfe ist es ihm und seiner Arbeitsgruppe erstmals gelungen, Experimente mit einzelnen Molekülen zu machen.
"Die Basis allen Lebens"
"Die Kommunikation zwischen Molekülen ist die Basis allen Lebens und wir möchten verstehen, wie diese Unterhaltung funktioniert", sagt Gaub. Die Strukturen, von denen der Forscher spricht, sind nur ein millionstel Millimeter groß. Gaub und seine 30 Mitarbeiter, darunter Biotechnologen, theoretische Physiker, Mediziner und Chemiker, haben schon einige Geheimnisse im Reich der Winzlinge gelüftet. Sie haben unter anderem erkannt, welche Moleküle den menschlichen Muskel gegen Überdehnung schützen. Nun erforschen sie, wie Muskelfasern nach einem Muskelkater wieder heilen.
Gaub will aber nicht nur verstehen, wie die Welt der Moleküle funktioniert. Er will sie eines Tages auch nachbauen und so genannte Hybride herstellen. Das sind künstliche Moleküle, in denen sich natürliche, biologische Teile und technische Teile wie Halbleiter ergänzen. "Wenn wir das schaffen, können wir die Moleküle dazu bringen, an bestimmten Stellen im Körper zu arbeiten und Veränderungen vorzunehmen", schwärmt er. Gaub hofft, dass die künstlichen Muskelfasern in naher Zukunft molekulare Produktionsprozesse steuern und antreiben. "Damit werden neue Analyseverfahren und Arzneimittel möglich, deren Wirkung sich maßschneidern lässt", sagt er.
Wenn der kräftige Mann mit dem dunklen Vollbart erzählt, schwingt in seiner Stimme Begeisterung mit. Lebhaft gestikulierend beschreibt er die Welt der Moleküle. Dabei wirkt er für einen Professor sehr unkompliziert und locker. Mit seinem kumpelhaften Tonfall könnte Gaub, der Jeans und Turnschuhe trägt, fast als älterer Student durchgehen.
Herzlich und unverkrampft
Der Wissenschaftler legt großen Wert auf die Kommunikation mit seinen Studenten und Mitarbeitern - deshalb steht seine Bürotür fast immer offen. "Ich bin umgeben von brillanten, jungen Leuten, die die Welt verändern wollen. Etwas Besseres gibt es gar nicht", findet er. "Er schafft es mit seiner offenen Art, Leute extrem gut zu motivieren", sagt sein Doktorand Ferdinand Kühner.
Der Dekan der Fakultät für Physik, Axel Schenzle, schätzt an Gaub dessen "herzliche und unverkrampfte Art". Gaub sei nicht nur national und international eine der ersten Adressen in der Biophysik, sondern habe auch ein gutes Händchen in der Hochschulpolitik. "Er hat unkonventionelle Ideen und kann gut vermitteln", sagt Schenzle. Kein Wunder, dass Gaub in den vielen wichtigen Gremien der deutschen Wissenschaft vertreten ist.
Doch der Biophysiker lebt nicht nur für die Arbeit - auch wenn er täglich um fünf Uhr morgens am Schreibtisch sitzt. Seine Freizeit verbringt der zweifache Familienvater gern in der Natur: Beim Skifahren oder bei seinem liebsten Hobby, dem Gleitschirmfliegen. Wie im Labor liebt Gaub auch in der Luft das Gefühl, von oben auf winzige Strukturen blicken zu können.
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  • FTD, 22.03.2005
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