Die schwedische Popgruppe Abba: Bjoern Ulvaeus, Agnetha Faeltskog, Anni-Frid Lyngstad und Benny Anderson (v.l.)
Forscher untersuchten in einem Online-Experiment das Verhalten von über 14.000 Probanden, die auf einer Website unbekannte Musiktitel bewerten und anschließend herunterladen konnten. Eine zufällig ausgewählte Kontrollgruppe musste die Titel allein auf Grund des eigenen Geschmacks bewerten. Daraus entwickelten die Forscher von der Columbia-Universität in New York den Maßstab für die Qualität der Songs.
Die anderen Versuchsteilnehmer wurden per Zufall einer von acht verschiedenen Gruppen zugeordnet und dort sozialem Druck ausgesetzt: Sie konnten sehen, wie oft ein Songtitel von anderen Mitgliedern der Gruppe bereits heruntergeladen worden war. Die Titelauswahl war für alle Gruppen die gleiche.
Durch diesen Trick konnten die Forscher rund um den Soziologen Matthew Salganik acht Parallelwelten erzeugen und beobachten, wie sich bei annähernd gleichen Startbedingungen unterschiedliche Trends entwickeln, wenn sich die Mitglieder einer Gruppe an der mutmaßlichen Meinung der anderen orientieren.
In Kulturmärkten regiert Chaos
Das Ergebnis dürfte all jene Medienmanager beruhigen, denen das Produzieren von Hits nicht gelingen will: Kulturmärkte sind nicht vorhersehbar.
"Je stärker der soziale Einfluss, desto schwerer wird die Prognose, welche Produkte für gut oder für schlecht gehalten werden", resümiert Soziologe Salganik in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Science". Und fügt tröstend hinzu: "Experten sind unfähig, Erfolge vorherzusagen - aber nicht, weil sie inkompetent wären oder schlecht informiert sind."
Experimente mit Tausenden von Teilnehmern, die sich nur mit Hilfe von Labor-Websites bewältigen lassen, werden in Zukunft immer wichtiger werden, heißt es in einem Kommentar in "Science". Forscher erhalten durch die Technik völlig neue Möglichkeiten, Einflüsse von Einzelnen auf soziale Prozesse zu untersuchen.
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