Wie der neue Netzwerkstandard die Kommunikation von W-Lan-Verbindungen verbessert
Ein Baum kann mehr sein als nur eine Pflanze. In Nepal wurde ein 20 Meter hoher Baum zu einem Antennenträger umfunktioniert. Seit in seinem Gipfel eine Antenne hängt, können die Menschen im abgelegenen Dorf Nangi Kontakt mit der Außenwelt halten - obwohl es im Dorf keine einzige Telefonleitung gibt.
Eine drahtlose W-Lan-Funkverbindung ersetzt die letzte Meile bis ins Dorf, und das dank Mahabir Pun. Der nepalesische IT-Pionier hat mit der Antenne eine drahtlose Verbindung bis zum nächsten Telefonanschluss gebastelt und so das Internet in sein Dorf gebracht.
Er ist nicht der Einzige, der sich damit beschäftigt, moderne Telekommunikation in entlegene Gebiete zu bringen: Weltweit tüfteln Forscher und Industrievertreter daran, wie man ohne Kabel Zugang zu Telefon- und Internetverbindungen bekommen kann. Das Hauptproblem: Drahtlose Verbindungen müssen so robust sein, dass man mit ihnen große Distanzen überbrücken kann. Dazu müssen die Forscher die Regeln, nach denen drahtlose Netze ihre Datenpakete verschicken, verbessern. Denn bisher sind diese Verbindungen ziemlich dumm - sobald ein Teil des Netzes ausfällt, ist alles unterbrochen. Abhilfe schaffen soll jetzt der neue Standard "802.11s", eine Art Sprache zwischen verschiedenen Verbindungsknotenpunkten.
Verständigung zwischen Knotenpunkten
Dieser Standard ist auf Netzwerke spezialisiert und könnte bis zu 54 Megabit Daten versenden - etwa 1000-mal so viel wie ein herkömmliches Modem. Aber es geht nur zweitrangig um Geschwindigkeit, wichtiger ist die gemeinsame Sprache der Knotenpunkte und wie sie sich untereinander verständigen. Das Ziel: Fällt ein Schaltpunkt aus, merken das andere Knotenpunkte und suchen sich sofort einen neuen Weg für ihre Daten, damit die Verbindungskette nicht unterbrochen wird. Beim Internet über Kabel ist das längst gang und gäbe, für drahtlose Netze wäre es eine wichtige Neuerung.
Beim W-Lan hängt an jeder Kabel-Internetleitung ein Zugangspunkt, der kugelförmig ein Signal ausstrahlt. Ein Computer mit entsprechender Karte kann dieses Signal empfangen und darüber im Internet surfen. Aber sobald der Rechner den Kugelbereich verlässt, reißt die Verbindung ab.
Will man eine Gegend flächendeckend mit Internet versorgen, braucht es entsprechend viele Zugangspunkte und für jeden von ihnen ein Kabel ins Festnetz. Bastler haben schon länger herausgefunden, dass man mit ein paar Tricks auch einfach einen Zugangspunkt an einen zweiten schalten kann, so dass eine Reihe von drahtlosen Empfängern entsteht, die sich gegenseitig die Daten weiterleiten und von denen nur ein einziger mit dem Internet per Kabel verbunden ist - das Ergebnis nennen sie Mesh-Netzwerke.
Doch egal wie pfiffig man die Punkte verbindet: "Sie leiden darunter, dass das Protokoll 802.11 nie für solche Netzwerkverbindungen gedacht war", sagt Guido Hiertz von Comnets, dem Lehrstuhl für Kommunikationsnetze an der Technischen Hochschule Aachen. Hiertz beschäftigt sich schon lange mit dem Problem, dass W-Lans dümmer sind, als sie es für Projekte wie in Nepal sein sollten. In Nepal hat Mahabir Pun sieben Jahre gebraucht, bis er genug Geld und Wissen gesammelt hatte, um seine Idee zu verwirklichen.
Guido Hiertz arbeitet zusammen mit Unternehmen wie Nortel, Nokia, Motorola, und NTT Docomo an der Version 802.11s. Im Mai nächsten Jahres soll es eine Vorstufe des Standards geben, Ende November 2006 sollen die Beratungen der Arbeitsgruppe zu einer Abstimmung führen und dann die ersten Geräte folgen. Wenn im nepalesischen Netzwerk dann die Antenne auf einem Baum ausfiele, könnte eine andere automatisch ihre Aufgaben übernehmen.