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  FTD-Serie: 101 Köpfe der deutschen Forschung

Wer steckt hinter wegweisenden Entwicklungen und Techniken der Zukunft? Wer bringt den Forschungsstandort Deutschland maßgeblich voran? Wir stellen die führenden Akteure in Wissenschaft und Forschung vor.

Merken   Drucken   02.02.2005, 19:00 Schriftgröße: AAA

Jochen Volkert entwickelt zündende Ideen

Jochen Volkert ist Geschäftsführer der Promeos GmbH in Erlangen und hat einen Brenner ohne Flamme entwickelt. Nicht nur die Heizungsbranche könnte als möglicher Abnehmer in Frage kommen. von Jan Berndorff
Jochen Volkert, Geschäftsführer der Promeos GmbH   Jochen Volkert, Geschäftsführer der Promeos GmbH
Wer das Unternehmen von Jochen Volkert in Erlangen betritt, wähnt sich anfangs zu Besuch beim Zahnarzt. An den steril weißen Wänden im Warteflur mit roter Ledercouch hängen Zertifikate, es gibt ein paar Broschüren zu lesen, und: Man wartet. Die Zertifikate entpuppen sich als Patenturkunden aus aller Welt - aus Deutschland, USA, Russland, China, Brasilien. "Verfahren zur Verbrennung von Flüssigbrennstoff" steht bei einigen darunter. Aus einem Raum tönt ein Geräusch wie ein Bohrer. Doch statt eines Schmerzschreis ertönt lustiges Pfeifen. Im nächsten Moment kommt ein junger Mann in Jeans, Jackett und Lederschuhen die Treppe herabgetänzelt, die kurzen blonden Haare modisch verwuschelt.
"Wir bauen Porenbrenner"
"Bei uns wird gebohrt, gesägt, geschweißt und gefräst", sagt er die Geräuschkulisse. "Wir bauen Porenbrenner." Jochen Volkert ist Geschäftsführer der Promeos GmbH. Der 36-Jährige hat eine neue Technologie entwickelt, die Brenner auf effiziente Weise Wärme spenden lässt - ohne Flamme.
Herzstück seiner Geräte ist eine Keramik aus Siliciumcarbid, die aussieht wie ein Stahlschwamm. Im Gegensatz zu einem klassischen Feuerzeug, das vornehmlich in der Flamme, also an einem Punkt Hitze erzeugt, vergrößert die Keramikstruktur des Porenbrenners den Reaktionsraum. In jeder Pore des Schwamms wird Hitze freigesetzt: "Der ganze Reaktor glüht und produziert 1200 bis 1300 Grad heißes Abgas", sagt Volkert.
Dieser harmonische Brennvorgang hat enorme Vorteile. Porenbrenner sind kompakter, energiesparender und emissionsärmer als herkömmliche Gas- oder Ölbrenner. Und sie sparen Kosten, denn ihre Leistung lässt sich modulieren. So kann ein Gerät mehrere verschiedene ersetzen.
Nicht nur in der Heizungsbranche, auch in der Automobil- und Papierindustrie könnte Volkert Abnehmer dafür finden. Zur Vermarktung hat er noch eine Schwesterfirma gegründet. Die Idee zum Porenbrenner hatte zwar ein anderer - Franz Durst, Professor für Strömungsmechanik an der Universität Erlangen, wo Volkert promoviert hat -, aber der ist alles andere als beleidigt: "Ich bin froh, dass jemand sie aufgreift und umsetzt. Dafür ist Jochen Volkert genau der Richtige."
"Der Gründungsprozess war das Schwierigste"
Wohl wahr, denn trotz Flaute auf dem Investorenmarkt und juristischer Hürden hat Volkert es geschafft, Promeos auf den Weg zu bringen. "Der Gründungsprozess war das Schwierigste. Ich war von 1999 bis 2003 allein damit beschäftigt, Patente und so weiter zusammenzuführen, damit das Ding finanzierbar wird", erinnert er sich. Man muss ihm genau zuhören, um zu verstehen, was er sagt. Sein Redetempo ist atemberaubend. Da hat ein "term sheet" nicht funktioniert wegen der "legal due diligence", die Promeos-Vorgängerfirma Invent musste "liquidiert" werden, um einen "vollen asset deal zu realisieren". Volkert ist zu einem Vollblutmanager geworden. "Er kann seine Vision einfach gut verkaufen", bescheinigt ihm sein Mitarbeiter Norbert Dischinger. So gut, dass er im letzten Jahr sogar den Deutschen Gründerpreis erhielt.
Im März wird der Prototyp des Gas-Standardbrenners auf der Internationalen Fachmesse für Gebäude- und Energietechnik ISH in Frankfurt präsentiert. Ist er entspannt, nachdem alles so gut läuft? "Wir müssen die Keramik noch haltbarer machen und schauen, dass uns der Sprung in die Volumenmärkte gelingt. Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen."
Persönliche Fragen
Mit welcher Technik stehen Sie auf Kriegsfuß?Elektrotechnik.
Wann haben Sie Ihre besten Einfälle?Im Auto oder beim Milchkaffee.
Ihr Wunsch an Frau Bulmahn?Einen Entrepreneurship-Lehrstuhl samt Risikokapital - Fonds zur Stimulation und Finanzierung von Gründertum direkt an den Hochschulen!
  • FTD, 02.02.2005
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