Sieben Antennen inside: WPN824 RangeMax" Wireless Router
Schnurlos sendet er von seiner großen Festplatte Videos in hochauflösender HDTV-Qualität, Internetdaten und Musik auf Flachbildschirme und kleine Lautsprecher.
Einzig die Funkverbindungen der verfügbaren Wireless LAN-Netze (WLan) bilden mit derzeit 54 Megabit pro Sekunde eine qualitätsmindernde Beschränkung. Zum Breitbandsurfen reicht diese Datenübertragungsrate zwar, aber nicht für gestochen scharfe Videosequenzen. Mit mindestens fünffacher Datenrate könnte aber schon nächstes Jahr der neue Funkstandard "IEEE 802.11n" selbst schnellste Filmszenen ruckelfrei transportieren. Allerdings müssen sich die Netzwerkunternehmen von Cisco und Motorola bis zu Intel und Airgo noch auf einen einheitlichen Standard für diesen Datenturbo einigen.
Technische Hindernisse sind ausgeräumt
Die technischen Hindernisse sind ausgeräumt. Bis zu vier Funkantennen statt einer einzigen öffnen parallel sendende Datenkanäle. "Im Labor sind damit schon Datenraten von 500 bis 600 Megabit pro Sekunde möglich", sagt Job Oostveen, Netzwerkforscher in den Philips Laboren in Eindhoven. Mimo - multiple Input, multiple Output - heißt das Zauberwort für den Datentransfer über mehrere Antennen. Sie sollen die Datenflüsse vervierfachen. Zudem könnte der Frequenzraum von derzeit 20 Megahertz Bandbreite auf 40 Megahertz erweitert und damit die Übertragungsrate verdoppelt werden.
Der Antennenwald auf den Mimo-Modulen bringt viele Vorteile mit sich. Neben der beschleunigten Datenübertragung wird er die Reichweite steigern, Funklöcher vermeiden und mehrere Teilnehmer gleichzeitig komfortabel mit der Basisstation, dem so genannten Router, verbinden. So lässt sich die Datenrate mit mehreren zeitgleich sendenden Antennen steigern. Das Problem bisher: Komplexe Algorithmen bei Sender und Empfänger müssen die verschiedenen Datenpakete je nach Funkkanal erkennen und schnell und zuverlässig zu dem kompletten Dokument oder Videobild zusammensetzen. Erst in diesen Monaten haben diese Mechanismen inklusive der speziellen Chipsets, die dazu nötig sind, ihre Marktreife erlangt.
Ohne Streuung funktioniert Mimo nicht
Für die Übertragung nutzt Mimo einen Effekt aus, der bisher Reichweite und Datenmenge eher beschränkte: Die Streuung der Funkwellen. "Doch ohne Streuungen der Signale funktioniert Mimo überhaupt nicht", sagt Philips-Forscher Job Oostveen. Denn erst über diese Reflexionen an festen Hindernissen breitet sich jede Welle von jeder Antenne etwas anders aus. So verändert treffen sie auf die Empfängerantennen und können erst dadurch voneinander unterschieden werden. Nur durch diese Trennung können auch die Informationen auf den Funkwellen unabhängig voneinander ausgelesen werden.
Da die Signalstreuung so hilfreich ist, funktioniert Mimo besser in der Stadt als auf dem Land, und vermittelt Daten effektiver in verwinkelten Wohnungen als in geräumigen Hallen. "Allerdings müssen nicht immer Sender und Empfänger mit mehreren Antennen ausgerüstet sein", sagt Mimo-Experte Martin Döttling von Siemens.
Die ersten Mimo-Produkte steigern zwar die Verlässlichkeit und Reichweite der Systeme, aber nicht die Datenrate. Denn die Router nutzen immer noch die alte Technik. Den Datenturbo gibt es erst, wenn sich die Netzwerkfirmen auf die Details des neuen Funkstandards geeinigt haben. Das könnte bald geschehen: Wahrscheinlich noch im Laufe dieses Jahres. Dann kann der Surfer auch zu Hause seinen Computer mit entsprechenden Funkkarten ausstatten. Damit das Wohnzimmer nicht mehr einem Elektronik-Lager gleicht.