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Merken   Drucken   23.06.2005, 19:33 Schriftgröße: AAA

Kleinst-Container im Kaffee

Die Lebensmittelindustrie experimentiert mit nanotechnologisch veränderter Nahrung. So könnten sich Geschmack und Nährwert verändern. Auch Vitamine könnten in die Nanocontainer eingekapselt werden. von Niels Boeing, Wageningen
Nano - dieses Stichwort suggeriert Technik, metallisches Kleinst-Zeugs, Atömchen-Frickelei. Nur millionstel Millimeter groß. Kalt, unbelebt, mechanisch. Weit entfernt von solch schönen, großen Dingen wie knusprigen Brötchen, krossen Haxen oder einer kühlen Mascarponecreme. Und doch: Die Fusion von Technoidem und Leckerem ist geplant. Denn die Nanotechnik arbeitet sich in Bereiche vor, in der sie noch nie zuvor gewesen ist: in die Lebensmittelbranche.
Geschmack und Nährwert könnten aufgepeppt werden
In Form von selbstreinigenden oder kratzfesten Lacken sind Nanoteilchen bereits auf dem Markt. Auch Computeringenieure und Mediziner experimentieren seit längerem mit Nanotechnologien. Nun ist die Lebensmittelindustrie ebenfalls von den Möglichkeiten begeistert, die die Nanowichtel eröffnen. Welche Ideen und Anwendungen es gibt, zeigte der Kongress Nano4Food, der diese Woche im niederländischen Wageningen stattfand.
So könnten Nanoteilchen den Geschmack und den Nährwert von Lebensmitteln aufpeppen. "Wir möchten mit der Nahrung die Gesundheit verbessern", sagt Nissim Garti, Lebensmittelchemiker von der Hebräischen Universität Jerusalem. Deshalb seien Nanozusätze "ein Muss". Vitamine oder bestimmte Aminosäuren könnten in Nanocontainer eingekapselt werden. Diese Kapseln, zwischen zehn und 100 Nanometern groß, seien löslicher, beweglicher und robuster als herkömmliche Nahrungszusätze in Mikrotropfen-Form, erläutert Garti. Sein Know-how will der Chemiker in das israelische Startup-Unternehmen Nutralease einbringen.
Nanoumhüllungen könnten auch Kaffeearomen verstärken. Zuckermoleküle und Aminosäuren werden in Nanotröpfchen eingekapselt, die dann auf die Kaffeebohnen gesprüht werden. Erst wenn heißes Wasser hinzugefügt wird, platzen die Kapseln, und beide Stoffe vermischen sich mit dem Kaffee.
Nano-Verfahren schützt Mars
Nano-Verfahren für Süßwaren: Eine wenige Nanometer dicke Schicht ...   Nano-Verfahren für Süßwaren: Eine wenige Nanometer dicke Schicht Titandioxid soll Mars Schokoriegel vor dem sichtbaren Verfall schützen
Patentiert ist bereits ein Nano-Verfahren des Süßwarenherstellers Mars, das Schokoriegel vor dem sichtbaren Verfall bewahren soll. Das Produkt wird mit einer wenige Nanometer dicken Schicht Titandioxid überzogen. Diese Schicht soll geschmacksneutral sein und die Leckerei lange ansehnlich erhalten, auch wenn sie einige Zeit offen und unverpackt herumliegt.
Auch bei der Zubereitung von Lebensmitteln können Nanoteilchen helfen. "Wir möchten in unserer Milch die verschiedenen Komponenten wie Proteine, Polysaccharide oder Fettmoleküle trennen, um die Milch stabilisieren und verfeinern zu können", sagt Tjeerd Jongsma von Friesland Foods aus den Niederlanden. Dazu setzt der größte Käsehersteller der Welt unter anderem auf Siebe mit winzigen Nano-Poren. Derzeit sind die Poren 350 Nanometer weit: Für manche Bakterien ist das bereits zu eng, für Proteine noch zu groß.
Die Frage bleibt, ob Nanotechnik bei Lebensmitteln eine sichere Sache ist. Hongda Chen vom US-Landwirtschaftsministerium etwa glaubt, "das existierende Arsenal pharmakologisch-toxischer Tests ist ausreichend". Frans Kampers, Bio-Nanotechnologe an der Universität Wageningen, ist sich hingegen sicher: "Ohne eine Regulierung wird das Vertrauen der Konsumenten nicht sehr groß sein."
  • Aus der FTD vom 24.06.2005
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