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  FTD-Serie: Klimastar Deutschland

Die Klimaforscher sind sich weitgehend einig: Die Erderwärmung ist nicht mehr aufzuhalten, die Folgen schon heute sichtbar. Deshalb ist klar: Das Geschäft mit dem Klimawandel wird der nächste große Markt. Kann Deutschland seine führende Position bei erneuerbaren Energien und Umwelttechnik behalten oder sogar ausbauen? Was Politik und Wirtschaft in Sachen Klimawandel tun, lesen Sie in dieser Serie der FTD.

Merken   Drucken   23.11.2006, 18:58 Schriftgröße: AAA

Klimawandel: Weltuntergang als Neuauflage

Zurzeit ist einem das Ende der Welt bewusster: Der Stern-Report rechnet pünktlich zum Klimagipfel in Nairobi die immensen Kosten des Klimawandels aus. Und ein Klassiker erlebt seine Wiederauflage: "Grenzen des Wachstums" von Dennis L. Meadows. Endzeitstimmung hat Konjunktur. von Kathleen Spilok (Stuttgart)
Vor mehr als 30 Jahren schon beschrieben Meadows und seine Kollegen in "Limits of Growth" Szenarien für die ökonomische und die ökologische Katastrophe. Das Buch wurde in 29 Sprachen übersetzt. Der amerikanische Systemforscher wurde 1972 mit seiner Auftragsforschung für den Club of Rome mit ein paar Linien in einer Handvoll Diagrammen weltberühmt.
Mit exponentiell anwachsenden Kurven machte er deutlich, dass Bevölkerung, Konsum und Schmutz zunehmen. Was die Erde den Menschen bietet, nimmt ab: Rohstoffe, Aufnahmevermögen für Schadstoffe, Trinkwasser, Artenvielfalt. Bleibt die Ressourcenbeanspruchung auf dem Niveau, fährt die Menschheit das System Erde noch in diesem Jahrhundert gegen die Wand. Dagegen hilft nur eine Beschränkung des Wachstums, womit wohl keine politische Partei einen Blumentopf gewinnen kann.
Zusammen sind sie älter geworden - die Welt und der Professor für Systemwissenschaft. Am Montag stellte er in Stuttgart seine sozial- und umweltwissenschaftlichen Theorien vor. Die Neuauflage seines Bestsellers hat gut 100 Seiten mehr. "Vor 30 Jahren haben die meisten Leute noch gar nicht verstanden, wovon ich rede. Grenzen konnte sich keiner vorstellen", sagt der 64-Jährige. "Im Update habe ich viele Beispiele, die meine Kalkulationen anschaulicher machen. Die Schlussfolgerungen von 1972 sind weiterhin gültig. Allerdings kommen Veränderungen auf uns zu - schneller, als das jemals der Fall war."
Richtwerte und Emissionshandel interessieren nicht
Anders als beim Kollegen Stern liegt sein Augenmerk nicht auf dem Klimawandel: "Das ist nur ein Symptom, nicht die Ursache selbst. Das Problem ist das Wachstum der Weltbevölkerung, des Energie- und Materialverbrauchs. Der Klimawandel ist das größte Marktversagen, da stimme ich Stern zu. Erstmals werden sich die Reichen mit Geld keine Lösung kaufen können."
Richtwerte und Emissionshandel interessieren den Systemforscher nicht. "Wenn wir Energie einsparen, können wir viel erreichen. Das sollte Thema Nummer eins sein. Es gibt vier Wege, den Energieverbrauch zu senken: Am schnellsten geht das, wenn wir unseren Lebensstandard senken. Zweitens muss Energie effizienter genutzt werden. Dann brauchen wir Kohlendioxid-freie Energieträger, und wir müssen unsere Ansichten über Lebensqualität ändern", sagt Meadows. Doch alles nützt nichts, "wenn gleichzeitig die Bevölkerung weiter wächst".
Er wünscht sich einen Knopf - "um den Zeithorizont von Politikern um mindestens fünf, besser zehn oder 20 Jahre zu erweitern. Damit sie langfristigere Entscheidungen treffen können".
Vor zwei Jahren tauschte der studierte Chemiker die Hörsäle in New Hampshire und Massachusetts gegen Trainingsprogramme in Österreich ein. Er bringt Leuten aus unterschiedlichsten Arbeitsbereichen bei, Lösungen im Team zu erarbeiten - ganz ohne Limits.

Kassandra
Der Autor Dennis Meadows, 64, ist ursprünglich Chemiker und Koautor des Bestsellers von 1972.
Das Buch "Grenzen des Wachstums. Das 30-Jahre-Update. Signal zum Kurswechsel", 323 S., Hirzel 2006, 29 Euro
  • Aus der FTD vom 24.11.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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