Ein bisschen unheimlich ist es schon, wie schnell das Thema Bildung Karriere gemacht hat. Bildung von Kindergartenkindesbeinen an, Schulbildung, Allgemeinbildung, Universitätsbildung, Elitebildung: Kaum ein Thema, abgesehen vielleicht von der Klimakatastrophe, hat es so schnell nach oben geschafft in der gesellschaftlichen Debatte dieses Landes.
"Bildungsinvestitionen", so lautet der kollektive Seufzer am Ende einer jeden öffentlichen Diskussion. Meist wird er ausgestoßen von einem Bildungsexperten, und alle nicken eilfertig dazu, wenn die Expertise ausgestellt wird. Gegen "Bildung" kann niemand ernstlich etwas haben. "Bildung" ist immer gut.
"Bildung" taugt allemal als Lösungswort für jedes Rätsel, das die Realität uns aufgibt. Wenn Kinder und Jugendliche die Schule abbrechen oder sie gar nicht richtig beginnen, fehlt es ihnen und ihren Eltern an Bildung. Wenn es schlechte Schulen gibt und mittelmäßige Universitäten, dann sind mangelnde Investitionen in Bildung daran schuld.
Sparen und Haushaltskonsolidierung sind wichtig - aber stoßen an ihre natürliche Grenze, wenn die Bildung betroffen ist. Das ist Konsens. Und Besserung? Kostet neues Geld - auch das ist Konsens unter Wirtschaftspolitikern wie Sozialpädagogen, unter Physikern und Philosophen.
Würden Landwirte heute noch ähnlich unverfroren nach mehr Subventionen verlangen, Kohlekumpel vergleichbar laut den Weiterbetrieb ihrer Zeche fordern oder auch Maschinenbauer die entsprechende staatliche Förderung ihrer angeblichen Innovationsregion empfehlen, allgemeines Kopfschütteln und der berechtigte Vorwurf des eigennützigen Lobbyinteresses wären die Folge.
Weniger Pro-Kopf-Ausgaben in Finnland
Was wollt ihr überhaupt mit dem Geld?, würde man fragen. Wird euer Produkt besser oder effizienter hergestellt, wenn wir noch mehr Bares dafür hergeben? Was leistet ihr Zusätzliches für höhere finanzielle Mittel? Werden sie wirklich da eingesetzt, wo sie gebraucht werden? Was hat die Allgemeinheit davon?
Im Kampf um mehr Ressourcen für mehr Bildung spielen sachliche Begründungen derzeit allerdings höchstens eine untergeordnete Rolle. Das ist falsch. Denn ein Bildungsmusterland wie Finnland gibt beispielsweise weniger Geld pro Kopf der bildungsrelevanten Bevölkerung aus als Deutschland - und erzielt ganz offensichtlich bessere Ergebnisse.